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Yorkshires Three Peaks hoch und runter

Vor der neuesten Episode von EF Gone Racing beim alternativen Kalender erfährst du hier, wie es Lachlan Morton bei seinem legendären Ritt durch die Dales erging.

25 September 2019

„Ich bin sicher, dass die Three Peaks noch nicht mit Fahrrädern gemacht wurden. Ingleborough und Pen-y-Ghent sind einfach, doch ich fürchte, Whernside könnte schwierig sein.“
– Norman Thornbler, 1959

„Mann, das war sogar noch chaotischer, als ich gedacht habe. Und ich hatte hohe Erwartungen an das Chaos."
– Lachlan Morton, 2019

Die Yorkshire Subterranean Society, die in dieser Saison 55 Jahre Höhlenwandern unter den Dales feiert, hat das alte Schulhaus in Helwith Bridge zu ihrem Hauptquartier gemacht. Die Wände sind mit alten Schwarzweißfotos von Höhlenpionieren geschmückt, und die Anrichte steht voll mit Schokoladenkeksen und Teekannen. Und für jene, die gerade aus der Unterwelt zurück kommen, gibt es zwei heiße Duschen. Gelegentliche Treffen, jährliche Versammlungen, ab und zu mal eine Geburtstagsfeier – es ist eine verschlafene Hütte, wie man sie in dieser Gegend erwartet. Doch einmal im Jahr, immer im September, machen die Höhlenforscher den Radfahrern Platz. Ein Trupp dreckverschmierter Sportler kehrt von einem der seltsamsten, verlockendsten Radrennen der Welt zurück, und immer zu zweit quetschen sie sich ins Lager der Höhlenforscher, um sich den Schmutz der Berge aus den Ohren zu waschen. Es ist wie Roubaix im Norden Englands. Auf dem Fußboden knirscht der Dreck der Dales zusammen mit Kekskrümeln, warmer Atem und dampfender Tee lassen die Scheiben beschlagen, und das ganze kleine Haus erzittert vom Lachen der 500 Männer und Frauen, die soeben die härtesten drei Stunden überstanden haben, die man im Sattel und zu Fuß verbringen kann.

Auf dem Papier ist das Querfeldeinrennen der Three Peaks eine simple Sache. Die Fahrer müssen drei legendäre Berge des nordenglischen Yorkshire hoch und runter: Ingleborough, Whernside und Pen-y-Ghent – und das so schnell wie möglich. Die ersten zwei sind etwas über 700 Meter hoch, der letzte etwas niedriger. Alle drei Berge werden durch eine 61 km lange Strecke verbunden, die fast zur Hälfte befestigt ist. Die Sieger brauchen weniger als drei Stunden für den Kurs, und wiederholte Erfolge sind die Regel. Klingt einfach. Ist es aber nicht. Von den 33 km, die als „unbefestigt“ klassifiziert sind – größtenteils Reit- und Wanderwege –, sind rund acht Kilometer komplett unfahrbar. Hier müssen die Fahrer absteigen und ihre Räder schultern; sie rennen, klettern und kämpfen sich unmöglich steile, felsige Anstiege hoch, oft durch dichte Wolken und ohne klare Streckenführung. Und was vom Rest der unbefestigten Strecke als „fahrbar“ gilt, könnte bei vernünftiger Auslegung des Wortes kaum so genannt werden. Die Organisatoren – in der 57-jährigen Geschichte des Rennens bisher nur zwei – haben festgelegt, dass alle Teilnehmer ein Querfeldeinrad mit Rennlenker fahren müssen – eine Maschine, die für dieses Terrain vollkommen ungeeignet ist. Tatsächlich gibt es nur eine Handvoll Kilometer auf dem gesamten Kurs, für die ein Crossrad die erste Wahl wäre. Veteranen, die das Rennen schon oft gefahren sind – Hunderte an der Zahl und bis zu 80 Jahre alt –, erklären gerne, dass man im Grunde vier unterschiedliche Räder braucht, um bequem durch die Dales zu kommen: ein Crossrad, klar, aber auch ein vollgefedertes Mountainbike für die Abfahrten, ein Rennrad für die Asphaltstücke und ein Paar Laufschuhe für die Kletterpartien. Letztere Einsicht erklärt auch, warum dieses vorgebliche Radrennen so oft von Bergläufern gewonnen wurde.

Nur wenige Augenblicke, nachdem er beim 3 Peaks ins Ziel gekommen war – dem jüngsten Event in seinem alternativen Rennkalender –, verstand Lachlan Morton von Education First, warum. „Es hat so wenig von einem Radrennen, aber es gehört zu den schönsten Radrennen, die ich je gefahren bin“, sagte er. „Ich habe keine Ahnung vom Laufen, daher wusste ich nicht, wie ich mich pacen sollte. Ich dachte mir, dass ich sie einfach so schnell wie möglich hochlaufe. Wie es aussieht, bin ich kein Bergläufer. Und bergab ist es noch verrückter als bergauf. Du bist mitten im Dunst und Nebel. Es gibt keine klare Linie. Du weißt nicht genau, wo du hinfährst. Du fährst ein Crossrad, das völlig ungeeignet für die Situation ist, und dann schießen alle den Berg hinunter, als ob sie auf einem Mountainbike säßen. Es macht sie kein bisschen langsamer. Da wurde mir klar, dass a) dieses Rennen absolut verrückt ist, und b) diese Jungs auf dieser Strecke wirklich wissen, was sie tun.“

Diese Jungs sind eine Handvoll Fahrer und Läufer, die größtenteils aus der Gegend stammen und ihre Saison um das 3 Peaks herum aufbauen. Drei Fahrer – Nick Craig, Paul Oldham und Rob Jebb – haben zusammen jede Austragung des Rennens der letzten 20 Jahre gewonnen, wobei letzterer in der vergangenen Woche seinen zwölften Triumph einfuhr. Es ist, wie sie alle bekennen, unglaublich schwer für einen Fahrer, bei seiner ersten Teilnahme zu gewinnen. Der Kurs ist zu schwierig und jedes Detail muss exakt stimmen, sodass man sich nicht einzig auf Form und Talent verlassen kann. Jeder Zentimeter der 61 Streckenkilometer hat ein Geheimnis, dem man nur nach jahrelanger Übung und Erfahrung auf die Spur kommt. Diese Tatsache macht es umso beeindruckender, dass Kerry MacPhee, die diesjährige Siegerin bei den Frauen, gleich bei ihrem ersten Start erfolgreich war.

Oldham, ehemaliger Querfeldein-Landesmeister, sagte: „Du musst ein bisschen ein Idiot sein, um das zu machen – du sitzt nie auf dem richtigen Fahrrad. Es ist hart, es ist gefährlich und es ist völlig offen. Es wurde viel darüber geredet, dass Lachlan es macht, aber es gibt nicht viele Leute, die bei ihrem ersten Versuch gewinnen. Irgendwie musst du es lernen; du musst deine Zeit absitzen, so etwa.“ Craig, der das Rennen 1991erstmalig gewann und dieses Jahr Zweiter wurde, fügte hinzu: „Dieser Event ist etwas Besonderes, weil du nicht vorhersagen kannst, wie das Rennen ablaufen wird. Es ist unmöglich. Es gibt Defekte, Stürze, alle möglichen Probleme und Unfälle und alles, was so passiert. Erst wenn du Pen-y-Ghent erreichst, verstehst du, worum es bei diesem Rennen geht.“

An sein eigenes Rennen denkend – er wurde bei seinem ersten Anlauf auf der legendären Strecke Vierter –, stimmte Morton zu: „Normalerweise kannst du für die Vorbereitung auf etwas an ein anderes Rennen denken. Für das Kanza kannst du ein anderes Gravel-Rennen fahren. Es ist vielleicht nicht ganz so episch, aber du bekommst eine Vorstellung davon. Oder was Leadville angeht, da fährst du Mountainbike-Rennen. Was tust du, um dich aufs 3 Peaks vorzubereiten? Gehst du laufen? Machst du ein paar Wanderungen? Drehst du Runden auf einer matschigen Weide? Konzentrierst du dich darauf, Rennrad zu fahren? Es ist von allem etwas. Ich kann vollkommen verstehen, warum es auf dieser Strecke jahrelange Erfahrung braucht. Das macht es so besonders – du musst eine wirklich intime Kenntnis der Landschaft hier haben. Falls du nicht von hier kommst oder hier viel Zeit verbringst, wird es sehr schwer für dich sein, dieses Rennen jemals zu gewinnen.“

Das 3 Peaks ist das kürzeste, kompakteste und in vieler Hinsicht provinziellste Rennen des alternativen Kalenders. Doch für die Fahrer, die jedes Jahr wiederkommen und von denen manche das Rennen ganze 45-mal beendet haben, ist es so fordernd und so befriedigend wie jede andere Fahrt irgendwo auf der Welt. „Für viele Leute, die das 3 Peaks fahren, ist dieser Event der Höhepunkt. So viel gehört dazu – ihr Material, ihre Vorbereitung, alles. Es ist alles für diesen drei- oder vierstündigen Event“, sagte Morton. „Es ist völlig einzigartig. Ich glaube nicht, dass du irgendwo zu einem anderen Event oder Rennen gehen und diese Gemeinschaft oder Menschengruppe finden könntest, die du hier findest. Was sie hier haben ist wirklich heilig – ich wollte nur ein Teil davon sein.“

#GONERACING

 

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