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Rapha Cycling Club Tour of Taiwan

Am Ende eines Sabbatjahrs in Taiwan schloss sich „Rapha Cycling Club“-Mitglied Daniel McCallig seinen Kameraden vom Chapter Taipeh an, um eine letzte unvergessliche Tour zu fahren.

Prolog

Als mein Sabbatjahr in Taiwan zu Ende ging, wurde mir klar, dass ich nur wenig von der Landschaft außerhalb Taipehs gesehen hatte. Dann, als ich eines Tages im Clubhouse Taipeh die Bekleidung durchschaute, sagte mir Tsai, der stellvertretende Leiter des Clubhouse: „Wir organisieren eine Tour durch Taiwan.“

Super, dache ich – das ist meine Chance, das Land vom Sattel aus zu sehen. Nachdem ich mich ein paar Tage später angemeldet hatte, sprach er mich an: „Bist du bei der Tour dabei?“ Und mit einem Lächeln: „Das wird dein Taiwan-Diplom.“ Ich wusste nicht, wie schwer seine Worte wiegen sollten.

Als durchschnittlicher Breitensportler fühlt sich für mich jede Fahrt über 100 km lang an. Wie ich auf die Idee kam, solche Distanzen Tag für Tag durchstehen zu können, ist mir bis heute ein Rätsel. Dennoch packte ich meine Sachen zusammen und stürzte mich in ein unvorhersehbares Abenteuer.

Erste Etappe

Taipei – Taichung, 171 km

Aus dem Bett um 5 Uhr. In Taiwan fährt man früh los, um der Mittagshitze zu entgehen. Wir starteten am Clubhouse Taipeh und wurden die ersten 50 km von weiteren RCC-Mitgliedern begleitet. Als sie in Richtung Taipeh umkehrten, wurden aus 30 Fahrern sieben. „Okay, es geht los.“

Zweite Etappe

Taichung – Chiayi, 159 km

Der erste richtige Anstieg unserer Tour. Schweißnass erreichten wir gegen neun Uhr morgens den Gipfel und hielten an einem kleinen Café. Ray reichte taiwanesische hartgekochte Eier herum, und dann bemerkten wir eine Gruppe von Fahrern aus der Gegend, die sich ein kaltes Bier schmecken ließen – so wird’s gemacht.

Wenn man solche Distanzen eine Woche lang tagein, tagaus fährt, dreht sich alles darum, es bis zum Ende der Etappe zu schaffen. Trinken, Koffein aufnehmen, essen, Sonnencrème auftragen – unser stündliches Ritual.

Dritte Etappe

Chiayi – Tainan, 127 km

Heute erreichten wir Tainan, die Heimatstadt unseres Mitfahrers Ahsien Yen. Wir aßen in seinem bevorzugten Fondue-Restaurant und lernten seine Familie kennen – ein netter persönlicher Moment.

Jede Nacht fühlte ich im Bett die Bewegungen der Straße – die Windungen und Kurven der Abfahrten, das Wirbeln der Pedale und das leichte Hin-und-her-Schwanken nach den täglichen acht Stunden im Sattel. Ich dachte oft an Mark Beaumont, der kürzlich seine Rekordfahrt rund um die Welt in 79 Tagen vollendete. Er verbrachte so viel Zeit im Sattel, dass ihm am Ende das Gehen schwerfiel.

Vierte Etappe

Tainan – Manzhou, 181 km

Auf halber Strecke erreichten wir die Südspitze Taiwans. Alles war leicht verschwommen, und durch die Hitze und den Gegenwind verlor ich auf dem Rad fast das Bewusstsein. Meine Beine waren taub. Ich fuhr wie im Delirium.

Als wir durch die Hügel des Kenting-Nationalparks rollten, ging die Sonne unter, und der Anblick war majestätisch. Was für eine Leistung.

Fünfte Etappe

Manzhou – Chenggong, 181 km

Der längste Tag der Tour fing mit einem heißen Anstieg bei 80 % Luftfeuchtigkeit an. Die Abfahrt war gigantisch – ein sanfter Rückenwind schob uns auf der Küstenstraße nach Norden, eingebettet zwischen dem Meer und den Bergen.

Es war der schwerste Tag auf dem Rad, den ich je erlebt hatte, und mein ganzer Körper brannte vor Erschöpfung. Doch es gibt keinen Ruhm ohne Leiden.

Sechste Etappe

Chenggong – Nan’ao, 181 km

Die Königsetappe begann mit einem Anstieg vom Pazifik aus und mit einer Abfahrt durch ein grünes Tal voller Reisfelder. Alles tat mir weh – Hintern, Nacken, Hände und Füße. Ich kann die morgige Etappe, die uns zurück nach Taipeh bringt, kaum erwarten.

Siebte Etappe

Nan’ao – Taipei, 181 km

Energie, Adrenalin, Kraft und das aufregende Gefühl, nach Hause zu kommen.

Wir fuhren durch Taiwans ältesten Tunnel, der nun ein Radweg ist, und hielten dann an einem bekannten Ort für unsere „Lunchbox“ – die traditionelle verpackte Mahlzeit Taiwans, die durch die staatliche Eisenbahn verbreitet wurde.

Nachdem wir uns durch den nun ungewohnten Verkehr gekämpft hatten, wurden wir im Clubhouse wie Helden empfangen, und jeder von uns bekam eine Rose geschenkt. Kameradschaftsgeist, wie er nicht besser sein könnte. Dann wurde mir ein RCC-Trikot mit den Unterschriften meiner Teamkollegen und der Mitarbeiter des Clubhouse überreicht. Eine fantastische Erinnerung an die Tour und an meine Zeit in Taiwan.

Epilog

Dies gehört zu den schwersten Dingen, die ich in meinem Leben gemacht habe, aber auch zu den besten. Es war ein Erlebnis, das mich veränderte, und wenn ich an Tsais Worte im Clubhouse zurückdenke, weiß ich, dass sie nicht treffender hätten sein können. Ich habe so viel gelernt: über das Land, übers Radfahren, über mich selbst und die Grenzen meine mentalen und körperlichen Leistungsfähigkeit.

„Ex Duris Gloria“. Bei der Tour durch Taiwan erfasste ich die wahre Bedeutung dieses Mottos – das Leiden dauerte sieben Tage, doch der Ruhm bleibt das ganze Leben.

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Der Rapha Cycling Club ist der erste Radsportclub seiner Art. Er bietet Breitensportlern wie Rennfahrern eine weltweite Gemeinschaft leidenschaftlicher Straßenfahrer und steht allen offen, ob Einsteiger oder Routinier.

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