Close

Panache 2019

Nach einem unvergesslichen Jahr im Straßen-Radrennsport, wählen Rapha Gründer Simon Mottram, Mitarbeiter und Freunde von Rapha ihre herausragenden Momente aus.

Was bedeutet Panache? Es geht nicht nur um große Siege. Panache ist vielschichtig. Es bedeutet Wagnis, alles steht auf dem Spiel, das Herz schlägt bis zum Hals, die Haare stehen zu Berge. Panache hat etwas von großspuriger Romantik, aber es gibt auch eine leise, sichere Behauptung: Das ist es, was ich bin.

Wie wir allzu gut wissen, steckt der Radsport voller Charakter, und die Saison 2019 zeigte Charakter im Überfluss. Die Weichen waren früh gestellt – beim Strade Bianche war es trocken und aus dem Staub tauchte eine verwegener aufstrebender Gallier auf. Später zeigten die ersten Filme von unserem Alternativen Rennkalender, was jenseits der WorldTour lag und zementierten Lachlan Morton als dessen Aushängeschild. Und grade als wir dachten, dass den Etappenrennen der Saft ausginge, servierte die Tour eine Vintage-Ausgabe, die selbst den Durst der ausgetrocknetsten Gaumen löschte.

Hier kommt kurzerhand Raphas Auswahl der besonderen Momente im Radrennsport des vergangenen Jahres.

15.

Niccolò Bonifazio, Mailand – Sanremo

La Primavera stellt den ultimativen Dampfkessel des Radrennsports dar, und 2019 war keine Ausnahme, wobei es sechs Stunden langsam köchelte, bevor Niccolò Bonifazio mit seiner todesverachtenden Abfahrt von der Cipressa eine Explosion herbeiführte. Der italienische Fahrer von Total Direct Énergie wohnt nur 10 km entfernt und nennt den Anstieg sein „Büro“ oder „Fitnessstudio“. Da er wusste, dass er nicht die Beine hatte, um mit den Favoriten am Poggio mitzuhalten, nutzte er seine Ortskenntnis, um ein Spektakel von rasanter Panache zu bieten. Während er auf der kurvenreichen Abfahrt nur zwei oder drei Mal die Bremsen berührte, erreichte er furchterregende 85 km/h und holte 20 Sekunden auf das Peloton raus. Es spielte keine Rolle, dass er vom Feld geschluckt und im hinteren Teil wieder ausgespuckt wurde – der knorrige Niccolò riss die Fans zu Begeisterungsstürmen hin und wir liebten es, zuzuschauen.

14.

Tadej Pogačar | 20.Etappe, Vuelta a España

Nominiert von einem anonymen Radprofi

„Was passiert, wenn ein 20-Jähriger bei seiner ersten Grand Tour 38 km vor dem Ziel bei bremsenden Gegenwind auf einem 15 km langen Anstieg attackiert, wenn das gesamte Movistar-Team vorne die Nachführarbeit macht?

Normalerweise nichts, aber dies ist nicht irgendein 20-Jähriger. Das ist Tadej Pogačar. Das ist die 20. Etappe der unglaublich harten Vuelta a España 2019. Das ist der Moment, in dem alle auf die Knie gehen sollten. Und das taten sie, außer Tadej. Berge, verrücktes Wetter, Transfers aus der Hölle – dieses Rennen hatte das alles. Aber für den den jungen Slowenen schien das keine Rolle zu spielen. Er fuhr davon und ward nicht mehr gesehen, und kam über zwei Minuten vor dem Weltmeister an, der ihm auf den Fersen war.

Er flog. Ich hätte es wissen sollen, er fuhr direkt an mir vorbei an diesem Anstieg.“

13.

Bob Jungels | Kuurne-Brüssel-Kuurne

Es war nicht besonders überraschend, dass Bob Jungels im ersten Jahr, in dem er sich auf die frühen Frühjahrsrennen konzentrierte, einen Semi-Klassiker auf Kopfsteinpflaster gewann; der luxemburgische Landesmeister besitzt die ganze Klasse und Kraft eines reinrassigen Rennpferds. An einem Wochenende beim Omloop und Kuurne, das eigentlich eine „Einstimmung“ sein sollte, galoppierte Jungels am Sonntag 17 km vor dem Ziel seinen Begleitern in der Ausreißergruppe davon in den Gegenwind und hielt sich die tobende Meute von 30 schnellen Männern in einem riskanten 10-Kilometer-Verfolgungsrennen vom Leib. Jungels nannte es „Mission Impossible“, und mit seinem zurückgegelten Haar sah er auf dem Podium mindestens genauso gut aus wie Tom Cruise.

12.

Sep Kuss | 15. Etappe, Vuelta a España

Wieder einmal unterhielt uns die Vuelta in höchstem Maße, und der Etappensieg des geschmeidigen Sep Kuss war eine bemerkenswerte Demonstration an Opportunismus. Der junge Amerikaner agierte in den Bergen als Super-Domestik par excellence, indem er großartig für Primož Roglič fuhr, den letztendlichen Sieger des Rennens. Als er eine Chance auf etwas eigenen Ruhm bekam, ließ Kuss diese nicht ungenutzt, und flog scheinbar leichtfüßig hoch zum Santuario del Acebo. Sein triumphierendes Abklatschen mit den Fans vor dem Überqueren des Zielstrichs brachte etwas amerikanische Prahlerei in einen sehr europäischen Sport. Eine nette Geste.

11.

Matteo Trentin | Weltmeisterschaften im Straßenrennen

Nominiert von Elena Cecchini, Fahrerin bei CANYON//SRAM

Als Italienerin hielt ich während der letzten Kilometer bei den Weltmeisterschaften in Yorkshire meinen Atem an. Zu Hause vor dem Fernseher hatten wir alle Mitgefühl, als er im Sprintfinale Zweiter wurde. Er war der Favorit in der Ausreißergruppe und wir dachten alle, er würde an diesem ungeheuerlichen und harten Tag gewinnen.

Nur ein paar Tage später unterhielt ich mich mit ihm während des Trainings. Er erteilte mir eine große Lektion als er sagte:

„Eine Silbermedaille ist nie leicht zu akzeptieren, aber ich weiß, dass mich in diesem Moment alle Italiener anfeuerten und unser ganzes Land eine Identität zeigte, die nicht oft in anderen Bereichen zu finden ist. Das ist das Schöne am Sport. Alles geben, Menschen inspirieren und ihnen einen Traum geben, an den sie glauben.“

Eine Stunde nach seinem Rennen lief Matteo von der Siegerehrung zurück zum Hotel, seinen Sohn Giovanni auf den Schultern tragend. Ein herziger Vater und ein wahrer Held.

10.

Alberto Bettiol | Flandern-Rundfahrt

Nominiert von Tom Southam, Sportlicher Leiter bei EF Education First Pro Cycling

„Ich möchte Bettiol nominieren, wie er seine Sonnenbrille abnimmt, während er den Zielstrich bei der Flandern-Rundfahrt überquerte. Ich bin mir nicht sicher, was das eigentlich sollte, aber was ich sah, war ein Typ, der den klaren Durchblick bei dem haben wollte, was grade geschah. Außerdem waren die Bilder, die ihn beim Sieg zeigten, während wir alle seine Augen sehen konnten, magisch.“

Sieh dir die Episode von EF Gone Racing an, die Alberto Bettiols Sieg in Flandern zeigt.

9.

Lucy Kennedy | Clásica San Sebastián

Die erste Ausgabe des Frauenrennens von San Sebastián im August bot ein dramatisches Spektakel, als Lucy Kennedy von Michelton-Scott 20 km vor dem Ziel attackierte , dann einen Platten erlitt und sich eine Minute hinter den Führenden des Rennens befand. Unbeirrt attackierte sie erneut, um Janneke Ensing am letzten Anstieg einzuholen und zu passieren, und somit einen Solosieg in Bilbao hinzulegen. Die 31-Jährige ist ein Spätentwickler und wurde erst 2018 Radprofi. Am ehesten bekannt für das peinliche Verschenken eines Etappensieges an Marianne Vos, nachdem sie beim diesjährigen Giro Rosa zu früh jubelte, stellte Kennedy sicher, dass sie diesmal mit einem Anstand von 23 Sekunden gewann. Eine exzellente Demonstration von Stärke und Stil.

8.

Marc Madiot | 14. Etappe, Tour de France

Madiot ist ein Mann, der sich mit Panache auskennt – der zweimalige Paris-Roubaix-Gewinner hat eine Schwäche für weiße Socken, Landesmeister-Trikots ohne Logo und makelloses Lenkerband – und er unterstützt seinen Schützling ebenfalls mit Panache. Als Thibaut Pinot diesen Juli die obersten Kehren des Tourmalets erklomm, waren Madiots temperamentvolle Reaktionen auf den Live Feed sehenswert.

7.

Kasia Niewiadoma | Amstel Gold Race

Nominiert von Christa Riffel, Fahrerin bei CANYON//SRAM

Diesen polnischen Superstar in Aktion zu sehen, ist immer aufregend. Als offenherzige Rennfahrerin, der noch ein Sieg in den Ardennen in ihrem Palmarès fehlte, trat Niewiadoma beim diesjährigen Amstel Gold Race nichtsdestotrotz an wie immer, wie ihre Teamkameradin Christa Riffel bemerkt:

„Kasia nahm das Rennen in ihre Hände und gab am letzten Anstieg alles. Es war mutig von ihr, diese Art von Alles-oder-Nichts-Attacke zu gehen, und sie zeigte Stärke und Durchhaltevermögen bis zum Zielstrich – sie hat ihre Chance ergriffen und nie zurückgeschaut.“

Die Tatsache, dass sich die zukünftige Weltmeisterin Annemiek van Vleuten am Zielstrich in einem haarsträubenden Katz-und-Maus-Spiel fast wieder an Niewiadoma herankämpfte, machte den Sieg umso süßer. Kasia bekam das Sahnehäubchen – beziehungsweise, ein schönes Glas Amstel mit Schaumkrone auf dem Podium.

6.

Sergio Higuita | 6. Etappe, Kalifornien-Rundfahrt

Nominiert von Harry Dowdney, Produzent von EF Gone Racing

„EF Pro Cycling hegte insgeheim große Erwartungen an die kolumbianische Neuverpflichtung Sergio Higuita bei der Tour of California, obwohl er erst 21 und es sein erstes Rennen in Pink war. Aber er trat kühn am Mount Baldy an, wobei der das Rennen mit rasend schnellen Rhythmuswechseln aufmischte, die das Feld in Bewegung setzten. Richie Porte kam fast zum Stillstand, als Higuita vorbeitänzelte. Ich hatte während der Fernsehübertragung im Zelt im Zielbereich Gänsehaut. Dort brüllten sogar die Journalisten vor Begeisterung. Letztendlich fing der gleichsam wunderbare Tadej Pogačar Higuita ein und schlug ihn auf dem Zielstrich, nachdem letzterer in der Kurve von der Linie abkam, aber was der Kolumbianer zuvor getan hatte, war Panache vom Feinsten: furchtloser und explosiver Renneinsatz, mit einem Hauch von der Romantik der vergangen Tage und rührender Naivität.“

Sieh dir die Episode „Das Higuita Monster“ von EF Gone Racing an, die sich dieser Etappe widmet.

5.

Annemiek van Vleuten | Weltmeisterschaften im Straßenrennen

Angesichts eines Alters von 36 Jahren, hätte Annemiek van Vleuten glauben können, dass ihre Chancen, die Straßenweltmeisterschaft zu gewinnen, verronnen wären. Doch selbst im Rahmen einer Karriere von außerordentlichen Leistungen, war die Fahrt der Holländerin in Yorkshire definitiv nicht von dieser Welt. Bei noch mehr als 100 Rennkilometern bis ins Ziel, fuhr Van Vleuten dem Feld davon ohne sich umzudrehen. Stell dir mal die Verwegenheit und Kraft vor, die nötig sind, um solch einen Sieg zu erringen. Trotz einer hochkarätig besetzten Verfolgergruppe, die zusammenarbeitete, um sie einzuholen und einer unglücklichen Soloeinlage von Chloe Dygart, die die Lücke schließen wollte, war es zwecklos – der endgültige Abstand betrug starke 2 Minuten und 15 Sekunden.

4.

Remco Evenepoel | Clásica San Sebastián

Dieser stämmige belgische Teenager hat grade die großartigste Saison der aktuellen Radsportgeschichte als Neuprofi gefeiert. Wir wussten alle, dass Remco Evenepoel gut sein würde, aber trotzdem – er fuhr letztes Jahr noch bei den Junioren. Die Art und Weise, wie der Quickstepper jedes Rennen anging, war auch herrlich: Ausscheren und sobald wie möglich bei jeder Gelegenheit einen selbstmörderischen Soloritt hinlegen. Dasselbe passierte bei der Clásica San Sebastián, ein erstklassiges Eintagesrennen im Baskenland, das Kletterern sowie Klassiker-Spezialisten liegt. Remco bildete mit Toms Skujiņš 21 km vor dem Ziel eine Zweiergruppe, hing wie ein Jojo hinten dran aber kam dann irgendwie zurück, um seinen lettischen Gefährten am letzten Anstieg des Murgil Tontorra abzuhängen. Soweit, so normal für San Sebastián, wo die Favoriten für gewöhnlich nach vorne schnellen und alle verbliebenen Ausreißer vor dem Zielstrich einsammeln. Diesmal nicht: Remco hielt Leute wie Van Avermaet, Valverde, Mollema und Woods mit mehr als 30 Sekunden auf Abstand. Was für eine Art, sein allererstes Eintagsrennen bei der WorldTour zu gewinnen.

3.

Lachlan Morton | GBDuro

Nominiert von Charly Wegelius, leitender Sportdirektor von EF Education First Pro Cycling

„Seine Großtaten bei Enduro-Rennen, aber besonders beim GBDuro, waren wahrhaft inspirierend. Für mich geht es bei Panache mehr darum, wie man etwas erringt, als um die eigentliche Errungenschaft. Und die Art, wie sich Lachlan mit so viel Freude durch diese Erlebnisse kämpfte, war bemerkenswert. Als Fahrer vergrub ich mich oft in ziemlich tiefen Löchern und viele Male fragte ich mich – warum tue ich das? Lachlans GBDuro brachte mir die wahre Bedeutung von menschlichen Anstrengungen auf eine Art und Weise nahe, wie es zuvor selten geschah. Respekt.“

Sieh dir das GBDuro 2019 an, um Lachlans Heldentaten beim Enduro zu sehen.

2.

Julian Alaphilippe | 18. Etappe, Tour de France

Loulou ließ die Korken knallen auf den weißen geschlängelten Straßen des Strade Bianche, dann, nur wenige Wochen später, führte er die Tradition fort, nach der ein Kletterer Mailand-Sanremo, ein Klassiker für Sprinter, gewann. Dann gewann er den Flèche Wallonne und fügte somit dem Cocktail einen Ardennen-Klassiker hinzu. Aber bei Panache geht es nicht nur um elegante Siege. Diese charmante Mann hielt uns den ganzen Juli über in Atem: er schlitterte mit Schwung in die Boxen nach seinem erstaunlichen Zeitfahren, rührte die Herzen, als er nach der 7. Etappe sein gelbes Trikot an einen vor Kälte zitternden Jungen verschenkte; er fuhr wie ein Besessener. Dann gab es diese Abfahrt vom Galibier – wir dachten, er wäre eingebrochen, aber Frankreichs Liebling war noch nicht fertig. Alaphilippe stürzte sich hinab wie ein Falke und senste sich durch das Feld der Führenden. Magnifique.

1.

Mathieu van der Poel | Amstel Gold Race

Nominiert von Simon Mottram, Rapha-Gründer

Amstel Gold könnte der Rennsieg des Jahres sein, und auch das sagenhafte Comeback nach einem unglücklichen Sturz in Flandern – und der Gedanke daran, was hätte passieren können – ganz zu schweigen von seinen Aufsehen erregenden Leistungen im Cyclocross. Van der Poels Sieg beim Tabor World Cup war besonders. Nur wenige Tage nach dem Tod seines Großvaters, dem großen Raymond Poulidor, rauschte das jüngste dominierende Kraftpaket, das dieser großartigen Radsport-Dynastie entsprang, zum Sieg mit seinem üblichen Stil und Sinn für Balance. Einfach nur schön anzusehen.

Inspiriert durch dieses Feuerwerk an Spitzenleistungen im Radsport? Stell dich während dieser Festtage der Herausforderung, indem du dich am Rapha Festive 500 versuchst – 500 km über acht Tage zwischen Heiligabend und Silvester.

Indem du dich beim Rapha-Newsletter anmeldest, stimmst du unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu und bestätigst, unsere Datenschutzbestimmungen sowie unsere Cookie-Richtlinie gelesen zu haben.

Wir werden in Kürze den Support für deinen Browser einstellen

Wenn du Rapha.cc weiterhin unter Verwendung deines jetzigen Browsers besuchst, kann es zu Leistungseinbußen kommen. Wir schlagen vor, einen der unten aufgeführten modernen Browser für ein optimales Erlebnis auf Rapha.cc herunterzuladen.

Ich kann nur IE11 verwenden

Danke für die Information

Diese Nachricht verwerfen