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In a vintage year for road racing, Rapha founder and CEO Simon Mottram picks his top moments of panache.

Panache 2018

Nach einem großen Jahr für den Radsport wählt Simon Mottram, Gründer und Geschäftsführer von Rapha, seine stärksten Momente aus.

21 December 2018

In den vergangenen zehn Jahren habe ich eine etwas ungewöhnliche Saisonrückschau betrieben. Anstatt auf Punkte und Pokale zu achten, habe ich jene Eigenschaft gefeiert, die ich im Radsport am meisten liebe: „Panache“.

Bei Panache geht es nicht darum, die Konkurrenz zu zermalmen oder durch Berechnung zu siegen. Solche Leistungen mögen wir bewundern und respektieren, doch sie bringen uns nur selten dazu, vom Sessel aufzuspringen und den Fernseher anzubrüllen. Solange ich denken kann, sind die großen Auftritte stattdessen immer jene Momente gewesen, wenn ein Fahrer seine Chance nutzte, das Rennen bei den Hörnern packte und uns alle jubeln ließ.

Diese Momente der Hochspannung zu feiern ist wichtiger als je zuvor. Ende 2016 beschloss Rapha, die Partnerschaft mit dem Team Sky nicht zu verlängern, weil wir vom Zustand des Profiradsports enttäuscht waren. Der Sport verliert seit Jahren Fans und Sponsoren und büßt an Wert ein.

2004 gründete ich Rapha aus meiner Leidenschaft für den Radsport heraus. 2016 starteten wir eine 16-monatige Studie, um den Sport gründlich zu durchleuchten und um zu verstehen, was sich ändern müsste und welche Rolle – wenn überhaupt – Rapha dabei spielen könnte. Die Studie führte uns zu einem neuen Ansatz beim Teamsponsoring und dem Profi-Rennkalender, dessen Ziel es ist, dem Rennsport mehr Spannung zu geben, neue Fans zu gewinnen und den Sport, den wir lieben, attraktiver (und wertvoller) zu machen. Glücklicherweise konnten wir für 2019 mit dem Team EF Education First einen großartigen Partner gewinnen, der mit unserer Diagnose und unserem neuen Ansatz übereinstimmt.

Trotz der allgemeinen Malaise des Profiradsports war 2018 ein echtes Spitzenjahr für alle, denen es bei Radrennen auf Wagemut und Charakter ankommt. In Sachen Panache sind dies meine Höhepunkte des Jahres.

Marc Soler

Paris-Nizza, 8. Etappe

Paris-Nizza hat über die Jahre zu einem soliden Format gefunden und ist immer wieder für ein spannendes Rennen gut. Der letzte Tag bot ein einzigartiges Highlight, ein Rennen mit Hochspannung für die Beteiligten wie für die Zuschauer daheim. Marc Soler von Movistar hätte in seinem Weißen Trikot ruhig abwarten können und vielleicht den Etappensieg anpeilen, doch er ging aufs Ganze und wurde mit dem Gesamtsieg belohnt. Der Radsport-Blog Inner Ring nannte es zu Recht einen „Cliffhanger an der Corniche“.

Vincenzo Nibali

Mailand–San Remo

Wenn es um Panache in der Saison 2018 geht, ist Vincenzo Nibalis unglaublich fesselnder Sieg bei Mailand–San Remo nicht zu übersehen. Ein Kletterer, der den Klassiker der Sprinter gewinnt... Der Mut, am Poggio zu attackieren... Die todesmutige Abfahrt... Der Biss, bis zur Linie durchzuziehen. Dies war ein Paradebeispiel dafür, wie ein Fahrer sein Herz in beide Hände nahm. Mein Puls muss in den letzten zehn Minuten bei 180 gewesen sein.

CANYON//SRAM

Trofeo Binda

Vielleicht bin ich voreingenommen, weil Rapha CANYON//SRAM sponsort, aber ich fand, das Kasia Niewiadomas Sieg bei der Trofeo Binda eine meisterliche Teamleistung war. Alena Amialiusik und Pauline Ferrand-Prevot agierten als Vorhut für ihre Kapitänin und attackierten wiederholte Male, um das Peloton weichzuklopfen, bevor die talentierte polnische Kletterin in die Offensive ging. Wenn Niewiadoma angreift – was oft passiert –, kann man ihren Siegeswillen beinahe spüren, so groß ist die Wildheit ihrer Aktionen. Bei strömendem Regen fuhr sie über die Linie, ein heldenhafter Sieg.

Tiesj Benoot

Strade Bianche

Höllisches Wetter und ein gnadenloses Rennen zeichneten das Strade Bianche dieses Jahres aus. Zwischendurch sah es so aus, als würde der Sieg zwischen Roman Bardet, dem zum Zerbrechen dünnen Tour-de-France-Kletterer, und dem bulligen Belgier Wout Van Aert entschieden, der wenige Wochen zuvor die Cross-Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Wie wäre es damit als Führungsduo? Doch dann griff Tiesj Benoot an, der schon mit gerade mal 21 Fünfter bei der Flandern-Rundfahrt geworden war und auf den schmutzig-weißen Straßen sein ganzes Potenzial zeigte. Unempfindlich für die Kälte und als einziger Fahrer ohne Beinlinge am Start, sah er umwerfend gut aus, und gleich einem zum Leben erwachten Terrakotta-Krieger zerschmetterte er das Feld und ließ die Favoriten wie tot zurück. Es war, als würde man einen belgischen Helden aus den großen Jahren des Radsports sehen.

Stephane Rossetto

Tour of Yorkshire, 4. Etappe

Auf der Königsetappe des diesjährigen Rennens zog der Franzose vor den Augen der inzwischen für Yorkshire typischen Zuschauermassen ein waghalsiges Solo über 120 km ab und fuhr durch die Hügel zum größten Sieg seiner Karriere. Im Ziel sagte der Cofidis-Profi: „Ich bin ein etwas altmodischer Fahrer, der die Dinge nie zu sehr berechnet oder analysiert. Ich möchte loslegen und es versuchen.“

Adam Hansen und Tim Wellens

Giro d’Italia, 8. Etappe

Der Giro dieses Jahres war spektakulär, die mit Abstand beste große Rundfahrt. Der hervorragendste Moment der Panache war Chris Froomes epische Soloflucht – mehr dazu später –, doch früher im Rennen, auf der 8. Etappe, wurden wir Zeuge einer Aktion, die so gewitzt und frech war, als würde sie der Geschichte der Tour de France entstammen. Als Adam Hansen und Tim Wellens von Lotto versuchten, an eine gefährliche Ausreißergruppe heranzufahren, wurde das Team Mitchelton-Scott des Gesamtführenden Simon Yates aktiv und gab Vollgas, um sie einzufangen. Doch sie ahnten nicht, dass Hansen und Wellens in dem Wissen, nicht lange vorne zu bleiben, von der Straße abbogen und sich vor dem Verfolgerfeld versteckten. Dann fuhren sie von hinten wieder heran und gesellten sich zu den Fahrern an der Spitze, sehr zu deren Verwunderung und Amüsement. Hansen kommentierte die Aktion später so: „Ich hatte das nur ein Mal getan, vor Jahren als Amateur. Es ist nicht einfach, so etwas in der WorldTour zu machen.“

Simon Yates

Giro d’Italia, 15. Etappe

Der Giro dieses Jahres gehört in weiten Teilen Simon Yates, der bis zu seinem schicksalhaften Einbruch am Finestre dominierte. Auf der bergigen Etappe zum Skiort Sappada attackierte er, als noch 20 km und zwei Anstiege zu absolvieren waren. Bei seiner Alleinfahrt holte er an beiden Anstiegen und Abfahrten Zeit heraus und siegte mit mehr als 40 Sekunden Vorsprung auf die abgeschlagenen Konkurrenten Dumoulin und Froome. Beim Anblick von Yates, der früh attackierte und am Unterlenker die Berge hoch fuhr, fühlte man sich unwillkürlich an Marco Pantani zu seinen besten Zeiten erinnert.

Mark Cavendish

Tour de France, 11. Etappe

Cav hatte in den vergangenen Jahren mit Stürzen und Verletzungen zu kämpfen, doch die Fans lieben ihn immer noch, und wir bei Rapha ebenfalls. Seine Leistungen und der anschließende Ausschluss auf der harten Etappe nach La Rosière zeigen, warum. Obwohl er früh abgehängt wurde und fürchterlich litt, weigerte sich Cav, das Handtuch zu werfen, und fuhr bis ins Ziel, das er lange nach dem Zeitlimit erreichte.

Julian Alaphilippe

Tour de France, 16. Etappe

Alaphilippe hatte 2018 eine grandiose Saison. Er ist ein echter Haudegen, ein Mann, der keine Angst vor Niederlagen hat, und nach seiner Tour de France im Bergtrikot war das ganze Land verliebt (wie im Vorjahr in Warren Barguil). Alaphilippes Sieg auf der schweren Pyrenäenetappe nach Luchon war Panache pur, sein Jubel auf der letzten Geraden sehenswert. Alaphilippe hat genug Talent und Charisma, um ein Superstar zu werden – und auf dem Rad sieht er einfach super aus.

Annemiek Van Vleuten

La Course by TdF

Anna Van Der Breggen war 2018 unschlagbar dominant, und auch bei La Course schien sie auf dem Weg zum Sieg – am Colombière hängte sie alle ab und wirkte dabei frisch und locker. Anna Van Vleuten dagegen, die ihr hinterherjagte, sah zerrupft und erschöpft aus. Doch sie kämpfte sich heran und konnte zur Verblüffung aller 50 Meter vor dem Ziel an VDB vorbeifahren und gewinnen.

Marianne Vos

Postnord Vargarda West Sweden Road Race

Van Vleuten siegte auf dramatische Weise, doch der für mich beste Moment des Jahres im Frauenradsport war, wie Marianne Vos die letzte Kurve des Vargarda Road Race in Schweden nahm. Sie fuhr doppelt so schnell wie alle anderen in die Kurve hinein und riss eine so große Lücke, dass sie leicht zum Sieg sprinten konnte. Es war Wagemut, der an Wahnsinn grenzte, und zeigte, dass die größte Rennfahrerin aller Zeiten wieder ganz oben ist.

Michael Woods

Vuelta a Espana, 17. Etappe

Es kommt nicht überraschend, dass die schwersten Berge besonders oft Momente großen Muts hervorbringen. Die 17. Etappe der diesjährigen Vuelta endete im Nebel am brutalen Anstieg zum Balcon de Bizkaia. Wer hier siegen wollte, musste alles geben, doch Michael Woods zeigte im zermürbenden Finale mehr Mut als alle anderen. Im Ziel brach Woods unter Tränen zusammen. Später enthüllte er, dass im Sommer der Vater seiner Frau gestorben war und dass das Paar kürzlich in der 37. Schwangerschaftswoche seinen Sohn verloren hatte. „Ich kanalisierte meine Energie in den Gedanken, wie schwer dieses Jahr gewesen war, und nahm meinen kleinen Jungen Hunter als Inspiration.“ In seinen großen Momenten deckt der Radsport wie kein anderen Sport die Tiefen der menschlichen Seele auf. Indem er seine Gefühle so ehrlich zum Ausdruck brachte, wurde Michael Woods unser neuer Held.

A.S.O.

Paris-Tours

Über den desolaten Zustand des Profiradsports ist viel geschrieben worden. Viele von uns glauben, dass wir mehr Spannung brauchen, um neue Fans für den Sport zu begeistern und ihn wertvoller zu machen. Diese Spannung rührt von heldenhaften Fahrern und Momenten großer Kühnheit her, aber es ist auch hilfreich, wenn die Rennen selbst und ihre Strecken interessant und unvorhersehbar sind. Also Hut ab vor der A.S.O., die in diesem Jahr Paris-Tours neu erfand und das Rennen über die geschotterten Feldwege des Loire-Tals schickte, womit es gleichzeitig schöner und spannender wurde. Die Firma, der der Profiradsport faktisch gehört, musste Mut und Vorstellungskraft aufbringen, um das Rad neu zu erfinden – und das ist, was ich unter Panache verstehe. Bitte mehr davon.

Vincenzo Nibali

Lombardei-Rundfahrt

Die Saison startete mit einem dramatischen Sieg Nibalis, doch sein zweiter Platz bei der Lombardei-Rundfahrt war vielleicht noch besser. Thibaut Pinot gewann das Rennen mit einer brillanten, angriffslustigen Vorstellung. Nibali war offensichtlich nicht ganz auf der Höhe, doch mutig reagierte er wieder und wieder auf Pinots Attacken. Schließlich musste er Pinot ziehen lassen, doch sobald ihn die Verfolgergruppe eingeholt hatte, ging er in die Offensive. Überraschung! Er wusste, dass er Pinot nicht mehr einholen würde, doch das Verlangen, Zweiter zu werden bei einem Rennen, das er zweimal gewonnen hatte – das ist wirklich Panache. Che classe.

Chris Froome

Giro d’Italia, 19. Etappe

Ich habe mir das Beste bis zum Schluss aufgehoben. Klar, es mag überraschend sein, Chris Froome für seinen Schneid auszuzeichnen. Er ist ein unglaublicher Athlet und ein brillanter Kämpfer, doch trotz all seiner Siege würden ihm nur wenige Fans Charisma oder eine aufregende Fahrweise bescheinigen. Seine Erfolge waren mehr kalkuliert als kreativ. Doch am 25. Mai 2018 änderte Froome all das und fuhr mit einem 80-km-Solo zum Sieg beim Giro. Natürlich hatten Dave B. und das Team Sky alles genau ausgeklügelt, sich eine Verpflegungsstrategie zurechtgelegt und alle Mitarbeiter an den letzten drei Anstiegen platziert, um Froome zu unterstützen. Doch es ist immer noch der Sportler, der den Schritt machen und es durchziehen muss. Mit Panache zu fahren heißt für mich, Mut, Kühnheit und Verwegenheit zu zeigen, Risiken auf sich zu nehmen und alles auf eine Karte zu setzen, um das Rennen zu machen. Dieser Definition folgend war Chris Froomes epische Attacke fraglos der Panache-Moment des Jahres. Ich bin sicher, dass dies als eine der Großtaten des modernen Radsports in die Geschichtsbücher eingehen wird – hoffen wir für 2019 auf ähnlich spannende Momente.

Rapha und Team EF

Radsport mit Charakter.

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