Close
Making Martínez

Martínez’ Weg

Im ersten Artikel unserer Serie „EF Gone Racing“ stellen wir den 22-jährigen Dani Martinez vor, den frisch gekrönten kolumbianischen Zeitfahrkönig.

08 February 2019

Höflich und jungenhaft, mit einem breiten Lächeln, das eine Zahnspange entblößt, hat Dani Martínez‘ Aussehen so gar nichts von einem großen Athleten auf der Höhe seines Könnens.

Dennoch hat der junge Kolumbianer, der für EF Education First Pro Cycling fährt, den Traum, eines Tages die Tour de France zu gewinnen, und diesem Traum jagte er vom ersten Tag an nach.

„Radsport ist mein Ein und Alles. Es ist der Sport, der mich am meisten mit Befriedigung und Liebe erfüllt. Vom ersten Tag an, an dem ich ein Fahrrad in die Hände bekam, wusste ich, dass ich damit das höchste Niveau erreichen wollte,“ sagt er.

Diese erste schicksalhafte Spritztour ist zum größten Teil Danis großem Bruder Jeison geschuldet, der bereits ein leidenschaftlicher Radsportler war. Als er sah, wie unglücklich sein jüngerer Bruder darüber war, dass er sich eine Chance beim lokalen Fußballverein hatte entgehen lassen, trieb er ein abgelegtes Fahrrad auf und nahm Dani mit in die Berge.

Das Fahrrad war klapprig und mit Rost überzogen. Der viel zu große und schwere Drahtesel war so altertümlich, dass Dani zum Gangwechsel anhalten musste, um das Hinterrad herauszunehmen und es umzudrehen.

Verärgert darüber, von seinem Bruder bei jedem Stopp abgehängt zu werden, beschloss Dani, permanent auf dem großen Kranz zu bleiben. Ein Kettenblatt mit 42 Zähnen macht normalerweise Hackfleisch aus jungen Beinen, aber nicht aus denen von Dani – er war ein Wunderknabe auf dem großen Kettenblatt.

„Vom ersten Tag an, an dem ich ein Fahrrad in die Hände bekam, wusste ich, dass ich damit das höchste Niveau erreichen wollte.“

Zehn Jahre später – und viele Fahrräder, die den Beinen, die sie antrieben, nicht genügten –, und der 22-Jährige demonstrierte seine schiere Kraft, indem er letzten Samstag seinen ersten nationalen Zeitfahrtitel in der Eliteklasse gewann. Er demontierte den Gewinner des letzten Jahres, keinen Geringeren als den ähnlich erstaunlichen Egan Bernal vom Team Sky, indem er ihm eine Minute und neunundzwanzig Sekunden Rückstand auf nur 28 km aufbrummte.

Während der Tour Colombia 2.1 (früher als „Oro y Paz“ bekannt) werden die beiden sich diese Woche wieder „mano a mano“ messen, und zwar auf einem Gebiet, das kolumbianischen Radsportlern eher zusagt: den Anstiegen. „Sicher, klettern ist hart“, sagt Dani. „Das tägliche Training hilft, die Leiden zu ertragen, aber bei den Rennen sind wir Tiere... Die anderen hinter mir leiden zu sehen, ist eine Belohnung für mich.“ Der Junge hat Biss.

Zusammen mit Miguel Ángel „Supermann“ López, Dritter im Zeitfahren, führen Bernal und Martínez eine neue Generation von kolumbianischen „vueltómanos“ oder Allroundern an. Das ist weit weg von den überholten Stereotypen der harten, aber fragilen reinen Kletterer, die mit den kulturellen Unterschieden beim Leben im fernen Europa kämpften und die partout nicht Zeitfahren konnten.

Mit 18 ist Dani schon weltweit UCI-Rennen auf Pro-Continental-Niveau gefahren. Das Jahr darauf unterschrieb er bei einem italienischen Team, das ihn zum Giro d’Italia brachte, wo er der jüngste kolumbianische Teilnehmer aller Zeiten wurde. Er schlug sich mehr als wacker, indem er die jeweiligen Ausreißergruppen auf den Etappen 7 und 14 aufmischte.

Im Folgejahr 2017 verbuchte Dani den 4. Platz in der Gesamtwertung bei der Türkei-Rundfahrt, und er wurde 7. beim italienischen Eintagesrennen Mailand-Turin, was ihm eine Beförderung in die erste Liga des Radsports bei EF Education First einbrachte.

„Mein Gefühl war, dass er sich zu einem erstklassigen Fahrer entwickeln würde, bevor er überhaupt für uns Rennen fuhr,“ sagt Teamchef Jonathan Vaughters. „Aber man kann ja nie wissen... Ich bin so froh, dass sich meine Mutmaßung als richtig erwiesen hat.“

Dani erhielt die Möglichkeit, schon in seinem ersten Jahr beim Team als Leader zu fahren, und er lieferte mit einem dritten Platz bei der Kalifornien-Rundfahrt hinter dem Gewinner Bernal. Eine große Rivalität zwischen den beiden ist eine vorzügliche Aussicht.

Den größten Rest der Rennsaison verbrachte er als „gregario de lujo“ oder Edel-Domestik im Dienste Rigoberto Uráns. „Er ist eine Referenzgröße, nicht nur in Kolumbien, sondern in der Welt“, sagt Dani. „Seine Persönlichkeit hat ihn dort hingebracht, wo er ist. Er ist sehr beliebt im Peloton. Als Leader ist er sehr ruhig, und immer, wenn ich für ihn arbeite, tue ich dies mit Freude.“

Dani betrachtet Rigo in der Tat als einen Hauptgrund für den Radsport-Boom in Kolumbien. „Die Pioniere des kolumbianischen Radsports waren Typen wie Nairo [Quintana], Rigo [Urán, sein EF-Teamkollege], Juan Mauricio Soler, Mauricio Ardila. Wenn du nach Kolumbien schaust, sind da so viele junge Fahrer, die stärker werden und Profis werden wollen. Der Erfolg derer, die in Europa fahren, ermutigt und motiviert jene, die zu Hause sind – so war es auch bei mir.“

„Es war großartig. Wie eine Tour de France. In Kolumbien. Im Februar.“

Die Rollen werden umgekehrt sein für die Tour Colombia 2.1 diese Woche, nachdem Uráns Frühform durch eine Fußverletzung beeinträchtigt wurde. Er wird stattdessen als Danis Unterstützer fahren: „mit Dani zu arbeiten, ist etwas wirklich Besonderes“, sagt Urán. „Er hat eine Menge Talent und ist wirklich lernwillig. Ich hatte letztes Jahr in verschiedenen Rennen, während der Tour und am Ende der Saison die Gelegenheit, an seiner Seite Rennen zu fahren, und er ist spektakulär.“

Abgesehen davon, dass er eine gute Leistung für Rigo hinlegen will, wird Dani von Kolumbiens überaus leidenschaftlichen Fans angetrieben. Letztes Jahr gab es die erste Ausgabe des Rennens. Die Massen waren hautnah am Straßenrand vor Ort und Gesänge wie „Nairo! Nairo!“ und „Rigo! Rigo!“ waren ohrenbetäubend. „Es war großartig,“ sagt Dani. „Eine andere Art von Rennen, wie eine Tour de France, in Kolumbien, im Februar.“

Dieses Jahr dürfte es jedoch anders sein – die Fans werden auch seinen Namen singen. Es dürfte ihm wie eine Ewigkeit vorkommen, dass er einmal sein Hinterrad umdrehen musste.

#GoneRacing

Die nächste Episode von EF Gone Racing wird während der Tour Colombia 2.1 gefilmt und kurz danach veröffentlicht. Bleib auf dem neuesten Stand der Serie und melde dich unten an.

Indem du dich beim Rapha-Newsletter anmeldest, stimmst du unseren Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu und bestätigst, unsere Datenschutzbestimmungen sowie unsere Cookie-Richtlinie gelesen zu haben.

Wir werden in Kürze den Support für deinen Browser einstellen

Wenn du Rapha.cc weiterhin unter Verwendung deines jetzigen Browsers besuchst, kann es zu Leistungseinbußen kommen. Wir schlagen vor, einen der unten aufgeführten modernen Browser für ein optimales Erlebnis auf Rapha.cc herunterzuladen.

Ich kann nur IE11 verwenden

Danke für die Information

Diese Nachricht verwerfen