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Aside from the iconic leaders’ jerseys worn in the race, the route maps of the Tour de France are perhaps the race’s most recognisable visual representations.

Cartes du Tour

Die neueste Veröffentlichung von Rapha Editions zeichnet nicht nur die Geschichte des größten Radrennens der Welt nach, sondern auch die des Landes, das die Tour beherbergt. Der Herausgeber Guy Andrews und der bekannte Autor Paul Fournel sprechen über die Inspiration zu ihrem neuen Buch.

06 July 2018

Abgesehen von den berühmten Wertungstrikots sind die Streckenkarten der Tour de France vielleicht diejenigen ihrer visuellen Stellvertreter mit dem höchsten Wiedererkennungswert. In ihrer aktuellen Form zeigen sie l’Hexagone, das gelbe Sechseck, mit den roten und blauen Punkten gespickt, die Start- und Zielorte markieren, sowie mit schwarzen Linien für die Streckenführung und die Transfers.

Doch so war es nicht immer. Die Streckenkarten haben sich mit der Zeit weiterentwickelt und zeigen nicht nur die Geschichte des Rennens, sondern auch die des Landes, das es durchquert. Die Karten ähneln sich von einem Jahr zum nächsten, doch gleichzeitig sind sie stetig im Wandel, zeugen von einer sich verändernden Landschaft, einer Fortentwicklung der Infrastruktur und einer stärker zusammenwachsenden Nation.

Cartes du Tour, diese Woche von Rapha Editions veröffentlicht, stellt Streckenkarten von jeder Austragung der Tour zusammen, vom ersten Rennen 1903 bis zur aktuellen Auflage in diesem Juli. Wir sprachen mit dem Herausgeber Guy Andrews und dem bekannten Autor Paul Fournel darüber, wo sie die Inspiration zum Schreiben dieses Buches hernahmen – und wie sie es schafften, all die Karten aufzutreiben.

Die auf 200 Exemplare limitierte Auflage wurde auf dem Innendeckel vom bekannten Radsporthistoriker und Autor Paul Fournel signiert.

War es euer Interesse am Radsport oder an der Kartographie, was euch zu diesem Buch inspirierte?

GA: Ich kann nicht sagen, dass es das Eine oder das Andere war, doch es gibt eine bestimmte Karte, die unsere ersten Gespräche anregte. Sie schmückte jedes Büro, das Rapha jemals hatte, und ist eine wunderschöne Darstellung der Tour-Strecke von 1958. Nachdem wir unzählige Male daran vorbeigegangen waren, entschieden Simon Mottram und ich, ein Buch zu schreiben, das die ganze Geschichte der Tour und ihres Heimatlandes anhand ihrer Karten erzählen sollte.

Über die Geschichte der Tour hinaus – was erzählen uns die Karten über die Geschichte Frankreichs?

PF: Wer die Streckenkarten liest, folgt nicht nur der Geschichte des Rennens, sondern auch der des Landes – die Eröffnung neuer Bergstraßen, das Aufkommen des Luftverkehrs und die Erweiterung des TGV-Eisenbahnnetzes. All dies hat die Vorstellungen der Franzosen von ihrem eigenen Land, seinen Landschaften und seiner kulturellen Vielfalt fundamental verändert. Zu Beginn führte die Tour de France zu einer Welle der nationalen Selbstentdeckung, als die Öffentlichkeit jeden Morgen die Ereignisse des vergangenen Tages nachverfolgte.

Welche Karten der Sammlung gefallen euch besonders gut?

GA: Die Karten der sogenannten goldenen Ära des Radsports in den 60ern und 70ern sind großartig. Wir haben versucht, das Buch einfach zu halten, denn die Schönheit der Karten spricht für sich. Ich begann in den 80ern und 90ern an, die Tour zu verfolgen, als es anfing, falsch zu laufen. Einer unserer Gründe dafür, mit diesem Buch anzufangen, war, dass wie die alten Karten wieder zum Leben erwecken wollten.

Was hat im Lauf der Jahre dazu beigetragen, das internationale Profil der Tour zu heben?

PF: Mit der Zeit ist die Tour zu internationaler Bekanntheit aufgestiegen und zu einem unschätzbar wertvollen Instrument geworden, Besucher nach Frankreich zu locken. In den 1980ern gab es die ersten von Helikoptern aus aufgenommenen Fernsehbilder mit Kameras, die um 360 Grad geschwenkt werden konnten. Die Organisatoren hatten die Idee, nicht nur das Rennen, sondern auch die Landschaft zu filmen, und heute haben wir Tausende von Menschen, die beim Anschauen der Tour weniger an dem Rennen interessiert sind, sondern an den Landschaften, die sie bereist.

Kann man also sagen, dass der Kommerz schon immer zum Kern der Tour gehörte?

PF: Sicher, die Tour de France ist ein kommerzielles Unternehmen. Früher stammte das Geld aus den Erlösen des Verkaufs von Zeitungen, heute kommt es von den Städten und Ortschaften in Frankreich und darüber hinaus, die jedes Jahr darum wetteifern, eine Etappe zu beherbergen. Alpe d’Huez ist ein perfektes Beispiel. Früher war der Ort nur als Skigebiet bekannt, doch die Tour verwandelte ihn, und heute wird er von Tausenden von Radsportlern besucht, die die 21 Serpentinen bis nach oben abzählen.

Die Tour de France 1964, hier auf der linken Seite abgebildet, wurde von der intensiven Rivalität zwischen Raymond Poulidor und Jacques Anquetil geprägt.

Vielleicht ist der kleine Ort Pra Loup in den Alpen ein noch besseres Beispiel?

PF: Ganz richtig – bevor die Tour 1975 zum ersten Mal zu Besuch kam, lag Pra Loup im Nirgendwo, nur den Menschen bekannt, die in der Nähe lebten. Aber der Tag, als die Tour kam, war der Tag, als Eddy Merckx’ eiserner Griff auf die Tour und den Sport von dem jungen Draufgänger Bernard Thévenet gelöst wurde. Dies war eine Etappe, die Schockwellen durch den Radsport jagte und Pra Loup in den Blick der Öffentlichkeit rückte. Das Rennen brachte dem Ort immense Aufmerksamkeit, sodass er förmlich explodierte und zu einer regelrechten Tourismushochburg wurde.

Hat der kommerzielle Erfolg der Tour die Freiheit der Kartenillustratoren eingeschränkt?

GA: Die Tour ist nicht in der öffentlichen Hand; die A.S.O. ist ein privates Unternehmen, das mit Recht seine Marke schützt. Die Tour de France ist ihr Kronjuwel. Früher war es etwas entspannter und man konnte einfach eine Karte der Strecke zeichnen und sie in einer Zeitung abdrucken. Heute müsste man um Erlaubnis fragen, würde sie aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bekommen. Es ist eine Schande, dass die A.S.O. zu einer sachlichen Streckenkarte im Michelin-Stil zurückgekehrt ist, aber so ist es nun mal. Matt Blease hat vor zwei Jahren eine wundervolle alternative Streckenkarte gezeichnet, die in dem Buch enthalten ist, und hat dringend nötige kreative Elemente hinzugefügt. Es wäre schön, mehr in dieser Art zu sehen.

Pra Loup, erstmals 1975 von der Tour besucht, ist eine von vielen Kleinstädten, die vom Rennen verwandelt wurden.

In welchem Maße können die Streckenplaner den Rennverlauf beeinflussen?

PF: Wie das Buch zeigt, führen Perioden der Dominanz eines Fahrers, der im Zeitfahren brilliert, zu bergigeren Strecken; andersherum sind überlegene Kletterer oft von Besuchen des nordfranzösischen Kopfsteinpflasters ausgebremst worden. Die Streckenplaner standen nie unter so enger Beobachtung wie in den 1960ern, als die heiße Rivalität zwischen Jacques Anquetil und Raymond Poulidor Frankreich in zwei Lager teilte. Sobald im Herbst die neue Strecke veröffentlicht wurde, begutachteten die Fans beider Fahrer den Kurs besonders gewissenhaft, um ungewöhnliche Details zu entdecken, die dem Widersacher ihres Helden einen unfairen Vorteil verschaffen könnten.

Doch der Sport bringt Menschen und Orte zusammen, ist es nicht so?

PF: Natürlich bringt der Radsport Menschen zusammen, wie es kein anderer Sport kann. Die Tour de France spielte eine wichtige Rolle beim Zusammenwachsen der Nation, indem sie weit entfernte Grenzstädte und versteckte Bergtäler in ein erweitertes Nationalbewusstsein einführte. Auf die gleiche Weise haben Abstecher über die Staatsgrenzen zu den Nachbarn Frankreichs dazu geführt, engere Verbindungen zu knüpfen. Seit dem ersten Grand Départ außerhalb Frankreichs, 1954 in Amsterdam, sind die Auslandsaufenthalte der Tour zur Normalität geworden. Die Auflage von 2018 fällt durch ihre Einhaltung der französischen Grenzen auf; 15 Kilometer spanischer Asphalt sind das einzige internationale Zwischenspiel.

Eine eher praktische Frage – wo habt ihr die ganzen Karten gefunden?

GA: Ich sammele Zeitschriften – mein Dachboden ist voller unterschiedlichster Veröffentlichungen, meist aus den 50er und 60er Jahren –, also kenne ich einige Orte, an denen man diese Dinge finden kann. In Paris gibt es einen unglaublichen Laden namens le Comptoir de l’Image, der als Archiv für französische Zeitungen und Zeitschriften fungiert. Dort fragte ich zuerst an, also habe ich einige der Karten von dort. Auch die Pariser Flohmärkte sind ergiebige Jagdgebiete, und ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, die Märkte zu besuchen, wann immer ich in Frankreich bin. Darüber hinaus geht es darum, im Internet zu suchen und zu schauen, was sich auf Websites wie eBay finden lässt. Ich war überrascht, wie umfassend unsere Sammlung am Ende war. Jeder findet eine Sammlung schön, nicht wahr?
 
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