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Die zwei Seiten der Medaille

Team Aspire Racing bei der US-Crossmeisterschaft

01 January 2018

Die eine macht alles zum ersten Mal und ist beseelt von ihrem zweiten Platz. Die Zukunft ist ein breiter Boulevard. Der andere hat all das schon mal erlebt, ist mehrfacher Landesmeister und kann mit Fug und Recht als Jahrhunderttalent im US-Crosssport gelten.

Für beide hat dasselbe Resultat – ein zweiter Platz im Rennen der Elite bei den US-Crossmeisterschaften – eine völlig unterschiedliche Bedeutung. Für Ellen Noble ist es ein sicheres Versprechen kommender Erfolge. Für Jeremy Powers ist es ein Echo dessen, was schon einmal geschehen ist.

„All das passiert zum ersten Mal. Für sie ist all das ein Traum. Sie hat sich selbst überrascht. Mit 22 lässt Ellen so viel Talent aufblitzen, dass es eine tolle Geschichte ist, auch wenn sie nicht gewonnen hat“, sagt Powers über Teamkollegin Noble. Was sein eigenes Rennen anging, das nach einer Saison, in der er unter anderem mit Herzproblemen zu kämpfen hatte, eine Rückkehr zu alter Form andeutete, zeigte er sich nachdenklich. „Das Niveau ist gestiegen, und ich musste damit klarkommen, dass ich nicht alles gewinnen kann. Das Ergebnis ist okay für mich, denn ich habe eine gute Vorstellung gegeben und bin das Rennen gefahren, das ich fahren wollte“, sagte er. „Ich denke darüber nach, was anders hätte laufen können. Aber es ist ein Rennen. Es gibt Rennen, die ich auf ähnliche Weise gewonnen habe, und Rennen, die ich so verloren habe.“

An einem milden Tag im Wüstenhochland erzielte das Team Aspire Racing diese zwei zweiten Plätze, dazu einen fünften Rang durch Spencer Petrov im U23-Rennen. Eine starke Vorstellung für das junge Team, das größtenteils von Powers’ Unternehmergeist und einer kleinen, engagierten Mannschaft angetrieben wird.

Das Team hatte sich in eine optimale Position gebracht. Um sich auf die Höhe vorzubereiten, trainierten die drei Sportler in New Mexico; dann reisten sie spät in der Woche an, um den Störgeräuschen der Tage vor dem Rennen zu entgehen. Powers, wie immer sehr emsig und damit beschäftigt, im Crosssport über die Runden zu kommen, schaltete sein E-Mail-Programm auf automatische Antwort und ließ sein Handy aus. Interviews zum Rennen las er auch nicht mehr. Als das Team eintraf, gab es nichts mehr zu tun, als ein paar Tage den Kurs abzufahren und die Rückennummern anzustecken.

Die Strecke von Reno, Nevada war für keinen Teilnehmer perfekt – die Fahrer mussten ihre Fähigkeiten punktgenau einsetzen. Die erste Hälfte verlangte hohen Kraftaufwand, während die zweite fahrerisches Können belohnte. Typischerweise werden die Kurse besser, wenn an den vorangegangenen Tagen die Rennen der diversen Altersklassen den Boden bereitet haben. Doch in diesem Fall machten all die Fahrer die trockene Strecke nur noch schwerer. In schwierigen Kehren war der Boden locker, und so manchem Fahrer versauten Defekte durch freiliegendes Gestein den Tag.

Für Noble ist es immer noch ein bisschen so, als sei ein Traum wahr geworden. In der letzten Saison gewann sie den Titel in der U23, und in Reno versuchte sie sich zum ersten Mal im Elite-Rennen. Sie war der amerikanischen Cross-Queen Katie Compton dicht auf den Fersen und nutzte ihr Fahrkönnen, um bis zum Schluss Druck zu machen. In der ersten Runde ging sie immer wieder in Führung, als sich die zwei vom Start weg absetzen konnten.

„Ich war zu allem bereit. Ich war bereit zu kämpfen und mich um den Sieg zu schlagen, aber mir war auch klar, dass ich vielleicht nicht mal vorne dabei sein würde. Ich war bereit, einfach mitzugehen“, erzählte Noble. „Als es zu Ende ging und ich eine halbe Runde vor dem Ziel vier Sekunden zurücklag, war das mehr, als ich erwartet hatte.“

Natürlich wäre es bequemer gewesen, rauszunehmen und sich einfach Comptons Reputation geschlagen zu geben. Doch Noble kämpfte weiter und kam sieben Sekunden nach der 14-fachen US-Meisterin ins Ziel.

„Ich glaube, viele Leute dachten, dass der zweite Platz enttäuschend wäre“, sagte Noble. „Für mich war es eines der besten Rennen, die ich je gefahren bin. Nicht nur in dieser Saison – in meiner Karriere. „In der letzten Runde so nah an Katie Compton dran zu sein ist ein gutes Gefühl für mich, und es motiviert mich, weiterzumachen.“

Ein paar Tage später buk Noble Pfannekuchen auf einem Campingkocher vor einem gemieteten Haus im kalifornischen Santa Cruz. Hier sammelte sie bei warmem Wetter Kilometer, bevor sie für Hoogerheide und die Weltmeisterschaft zurück nach Europa flog. „Es fängt eigentlich gerade an, wirklich Spaß zu machen. Diese Saison hat mich gelehrt, dass es dir Spaß machen muss, wenn du dabei bleiben willst. Du kannst es nicht immer von den Ergebnissen abhängig machen.“

 

 

 

Im Elite-Rennen der Männer legte Powers eine saubere Leistung hin. Vom Start bis zur Hälfte der letzten Runde führte er einen im Voraus festgelegten Plan aus. Fast das ganze Rennen über kontrollierte er die Spitze und zog dem Feld damit den Zahn. Am Ende blieben nur er und der amtierende Meister Steven Hyde übrig. Es war ein tolles Schauspiel: Powers ganz klar zurück nach einer Saison, die den Erwartungen nicht gerecht geworden war, und Hyde, ein Schützling von Powers, der den richtigen Moment abwartete.

So, wie die Saison gelaufen war, wäre es eine große Sache gewesen, bei der Meisterschaft aufzutauchen und sich den Titel zurückzuholen. Doch ein Rennfahrer vergisst nicht, wo er einmal gestanden hat, und versucht unter allen Umständen, zurückzukommen.

„Steven und ich sind im Training wie im echten Leben oft genug so gegeneinander gefahren. Das war jetzt halt die Meisterschaft und es wurde im Fernsehen übertragen. Ich bin mit meiner Leistung sehr zufrieden, zumal es schon eine Weile her ist, dass ich es alles so gut hinbekommen habe“, sagte Powers. „Ich bin hingegangen und habe gemacht, was ich tun wollte. Es hat nicht zum Sieg gereicht, doch es war trotzdem ein tolles Rennen.“

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