
Panache 2024
Die entscheidenden Momente einer unvergesslichen Radsportsaison.
21. Dezember 2024
Red Bull PhotographyGraeme Murray / Red Bull Content Pool
Panache: Ein Wort, das den unbändigen Mut und die feste Entschlossenheit von all jenen beschreibt, die sich auf den eigenen Instinkt verlassen und über ihre Grenzen hinausgehen. Genau das macht die Schönheit des Radsports aus – und genau deshalb lieben wir diesen Sport.
Während das Jahr 2024 auf die Zielgerade einbiegt, feiern wir noch einmal die größten Momente des Jahres; die Glanzleistungen und Courage, denen wir den Zauber des Radsports verdanken. Von Alpe d’Huez bis zur Maasai Mara haben wir zahlreiche großartige Aktionen verfolgt – mehr, als wir in diesen Top Ten unterbringen können. Hier kommen unsere Favoriten.

In 108 Tagen um die Welt – Lael Wilcox
„Ich hatte so viel Spaß – und hätte einfach ewig weiterfahren können.“
Ein weiteres Jahr, ein weiterer Weltrekord. Die aus Alaska stammende Radabenteurerin Lael Wilcox ist mehr als ein Jahrzehnt lang immer wieder über ihre Grenzen hinausgegangen – doch in diesem Jahr schaffte sie sogar eine Weltumrundung ohne Unterbrechung und unterbot damit den aktuellen Rekord um mehr als zwei Wochen. Aber sie ist noch lange nicht müde, also halte die Augen offen für weitere verrückte Langstrecken-Abenteuer, die schon bald folgen werden.

Der Meilenstein des Manx Missile – Mark Cavendish
„Du kämpfst so hart du kannst bis du die Ziellinie erreichst. Und möglicherweise ändert sich dein Leben, wenn du als Erster über die Linie fährst.“
Sir Mark Cavendish gewann seine erste Tour-Etappe im Jahr 2008 und war seitdem nicht mehr zu bremsen. Mit 39 Jahren ist er der Inbegriff eines Profis. Der 35. Etappenerfolg war jedoch kein Selbstläufer: Cav, ohne seinen Zug aus Anfahrern, der ihn ins Ziel befördern sollte, musste von Hinterrad zu Hinterrad springen und sich voll und ganz auf seine Erfahrung und seinen Renninstinkt verlassen. Absolute Geschwindigkeit, absolute Extraklasse. Chapeau.

Der unkonventionelle Onkel – Lachlan Morton
„Ich habe es auf meine eigene Art geschafft und bin dabei meiner Fahrweise treu geblieben.“
Ein Rennfahrer, der wahrhaftig seinen eigenen Weg geht, ist Lachlan Morton. Der Pioniergeist des Australiers spiegelt sich in allem wider, was wir am Radsport und der sich ständig weiterentwickelnden Welt rund um das Radfahren durch unterschiedliche Terrains so lieben. Das Unbound in Kansas, USA, gilt als das weltweit wichtigste Rennen im Gravel-Kalender – und genau hier setzte sich Lachy bei Kilometer 104 vom Feld ab, fuhr ein perfektes Rennen und stellte sogar einen neuen Streckenrekord auf. Wir ziehen unseren Hut vor dem Volkshelden.

Amazing Gracey – Gracey Hemstreet
„Es ist ehrlich gesagt Wahnsinn. Wenn man den anderen Mädels zuschaut, fühlt man sich nicht wirklich besser... Es war einfach heftig.“
Gracey Hemstreet schrieb im Februar Geschichte, als sie als erste Frau das Red Bull Hardline gewann. Die Strecke in Tasmanien führte über eine 23 Meter breite Schlucht und einen mehr als 10 Meter tiefen Steilhang, durch abschüssige Kurven und entlang einer 575 Meter senkrecht abfallenden und 2,3 Kilometern langen Strecke. Die aus British Columbia stammende Hemstreet nahm als Nachzüglerin am Rennen teil und zeigte im letzten Durchgang eine fehlerfreie Leistung.

Auf eine glänzende Zukunft – Xaverine Nirere
„Mir wurde klar, dass ich allein war“
Seit nur etwas mehr als zwei Jahren fährt Xaverine nun professionell Gravel-Rennen. Der 21-jährige ruandische Radsportlerin ebnet damit den Weg für andere junge Menschen aus Afrika und festigt den Ruf von Iten, Kenia, als Heimat der Champions und als Heimat des Radsports. In dieser Saison gewann die Fahrerin des Teams AMANI die erste Etappe des Migration Gravel Race und verwies dabei die Favoritin und ihre Rapha-Kollegin Sarah Sturm* auf den zweiten Platz.
*Sarah, wir lieben dich.

Auf Goldkurs – Kristen Faulkner
„Es war immer nur ein Kindheitstraum von mir.“
Eine weitere Frau aus Alaska, eine weitere Pionierin. Seit vier Jahren erst bestreitet Kristen Profi-Radrennen. Die Goldmedaillen der ehemaligen Risikokapitalbankerin sowohl im Straßenrennen als auch auf der Bahn (eine Disziplin, die sie erst vor etwas mehr als einem Jahr für sich entdeckt hat) in Paris sind schlichtweg unglaublich. Bloße Worte können dieser Leistung einfach nicht gerecht werden. Wir sind immer noch sprachlos.

Ein historischer Moment – Biniam Girmay
„Ich liebe einfach Radfahren.“
Im Juli gewann Biniam Girmay als erster Mann aus dem radsportbegeisterten Eritrea und als erster schwarzafrikanischer Profi eine Etappe der Tour de France, indem er Mads Pedersen im Sprint noch an der Bande überholte und so als Erster die Ziellinie überquerte. Die Bilder aus Asmara sprachen Bände. Bini holte sich zwei weitere Etappesiege und das grüne Trikot für die meisten Punkte – und schrieb damit Sportgeschichte.

Ein kleiner, aber feiner Kannibale – Tadej Pogačar
„What the f**k? Wir fühlten uns auf einmal wie im Gruppetto.“ – Tom Pidcock
Tadej Pogačars Dominanz könnte Langeweile aufkommen lassen, aber seien wir mal ehrlich – er ist hier, um uns zu unterhalten. 26 Jahre alt, bereits besser als Eddy Merckx und gepriesen, als der beste Radfahrer, den die Welt je gesehen hat? Die Lombardei-Rundfahrt, die Weltmeisterschaften und das Giro-Tour-Doppel, ganz zu schweigen von Strade Bianche. Auf den weißen Straßen im Piemont zeigte er die Quintessenz seines unvergleichlichen Könnens mit einem 80 Kilometer langen Solo-Angriff, der ihm den Sieg einbrachte und den Rest hinter sich in einer Staubwolke verschwinden ließ. Wirklich WTF, Herr Pidcock.

Ohne Grenzen – Kenneth Karaya
„Ich habe diese Energie, über meine Grenzen hinausgehen zu wollen.“
Beim Badlands handelt es sich zweifellos um das weltweit wichtigste Ultralangstreckenrennen. Ken Karaya, der von seinem Mentor Lachlan Morton und der Unterstützung des Teams AMANI, das vielversprechenden jungen Talenten aus Ostafrika zum Erfolg verhilft, profitierte, stand kurz davor, dieses prestigeträchtige Event zu gewinnen. Auf den Spuren des verstorbenen AMANI-Mitbegründers Sule Kangangi fuhr Ken auf der letzten Rille und damit auf den zweiten Platz, wodurch er bewies, welche enormen Fortschritte er als Rennfahrer macht.

Alpe d’Herz – Kasia Niewiadoma
„Der schönste Moment meines Lebens.“
Der knappste Sieg in der Geschichte der Tour. Die Gravel-Weltmeisterin von 2023 und Gewinnerin des Flèche-Wallonne 2024 eroberte mit ihrer unglaublichen Fahrweise eigenhändig das Gelbe Trikot und verteidigte es bis zum Schluss. Favoritin Demi Vollering, die den größten Teil des Rennens im Maillot Jaune verbracht hatte, wurde an diesem Tag von dem polnischen Leichtgewicht um Haaresbreite geschlagen, als Kasia über den Wolken von Alpe d'Huez letztlich den ersten Platz belegte und damit zum Gesamtsieg fuhr.