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Rapha + Huit

Zu Besuch bei Hiut Denim Co. in ihrer Fertigung in Cardigan.

31. März 2026

Exklusiv für RCC-Mitglieder erhältlich

Sobald Hiut den Tag nannte, an dem die ersten Rapha-Jeans die Produktion verlassen würden, war klar, dass es Zeit für eine Reise ist. Mit dem Rad versteht sich.

– Ben Wallace – Product Manager, Rapha.

An einem noch feuchten, nebligen Morgen im März fuhr der Zug in Carmarthen ein. Während Wanderer und Tagesgäste ausstiegen, rollten wir auf den Bahnsteig, voll beladen und bereit für die Fahrt Richtung Cardigan. Unser Ziel war Hiut, Hersteller von handgefertigtem Denim auf höchstem Niveau in Großbritannien.

Über zwei Tage hinweg wollten wir verstehen, was ein Unternehmen ausmacht, das bewusst eigene Wege geht. Wir wollten das Team kennenlernen und erfahren, wie sehr die Region ihre Arbeit beeinflusst. Ebenso hatten wir vor, selbst mitanzupacken und die erste Rapha + Hiut Jeans auf den letzten Schritten des Fertigungsprozesses zu begleiten, bevor sie die Manufaktur verlässt.

Wir waren keine fünf Minuten unterwegs, da fuhren wir schon im Kreis. Am Velodrom von Carmarthen, das als älteste durchgehend genutzte Radrennbahn der Welt gilt, legten wir zunächst ein paar Runden im Regen ein.

Mit warmgefahrenen Beinen verließen wir Carmarthen und nahmen Kurs auf die walisischen Hügel. Unter grauem Himmel und vorbei an fast über die Ufer tretenden Flüssen begleitete uns das Blöken der Schafe auf den aufgeweichten, matschigen Weiden. Noch ein kurzer Stopp am Cilgerran Castle und bei Siop Y Pentre für Tee und Toasties, dann ging es hinunter zu unserem Ziel.

Noch leicht durchnässt, aber mit guter Laune erreichten wir Cardigan. Als Ausgangspunkt des Pembrokeshire Coast Path, dem einzigen Küsten-Nationalpark des Landes, war die Stadt mit ihren 4.000 Einwohnern einst ein florierender Hafen. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt dann auf die Denim-Produktion und beschäftigte rund zehn Prozent der lokalen Bevölkerung. 2002 nahm dieses Kapitel der Stadtgeschichte ein abruptes Ende.

Über zehn Jahre hinweg blieb die Expertise der Baumwollspezialisten in Cardigan ungenutzt. Solches Wissen kann schnell verloren gehen und einer Gemeinschaft ihre Identität nehmen.

2012 machte sich Hiut Denim Company daran, diese Tradition wieder aufzunehmen. Mit den gleichen Spezialisten, die seit den 1960er-Jahren Jeans fertigen, verfolgten sie ein klares Ziel: die hochwertigsten Jeans aus dem besten Denim der Welt herzustellen. Gefertigt werden sie von GrandMasters mit größter Sorgfalt und handwerklicher Präzision. Das Ergebnis ist ein Produkt, das nicht nur durch Langlebigkeit besticht, sondern mit jedem Tragen besser wird.

Kein metallisches Dröhnen, kein Klappern großer Maschinen. Nur das rhythmische Surren alter Nähmaschinen, die von Hand geführt werden. Jede Jeans ist eine Investition in die Zeit und das Können eines GrandMasters.

„Die Fabrik lebt vom Können der Menschen aus der Region“, erklärt Joe Arnold, Content Creator bei Hiut. „Viele von ihnen haben schon jahrzehntelang in der ursprünglichen Fertigungsstätte gearbeitet. Wir möchten die nächste Generation ausbilden, um diese Handwerkskunst und dieses außergewöhnliche Können zu erhalten, während es anderswo im Vereinigten Königreich nach und nach verschwindet.“

In der Ausbildung ist der Fokus klar gesetzt. Jeder spezialisiert sich auf einen Bereich, ob Zuschnitt, Fertigung oder Nieten, und entwickelt darin ein so komplexes Know How, dass die Abläufe in Fleisch und Blut übergehen und alle Mitarbeitenden ihr Können flexibel in der Fabrik einsetzen können. Hier zählt Sorgfalt mehr als Geschwindigkeit.

„Es braucht viele Jahre an der Nähmaschine, um dieses Niveau zu erreichen. Deshalb nennen wir sie GrandMasters. In unserer Fabrik dauert es daher etwa acht Jahre, bis man diesen Status erreicht.“ – Gill Kynoch, Hiut Grandmaster.

Am nächsten Tag ging es von der Fabrik aus durch Cardigan und über die schmalen Gassen von St Dogmaels, weiter auf Straßen, die scheinbar direkt ins Meer hinabführen.  

Ein Sägezahnprofil wird den Straßen hier nicht gerecht. Zu schnell folgen auf rasante Abfahrten steile, fordernde Anstiege. Blühende Narzissen am Straßenrand kündigten bereits den kommenden Frühling an. Vorbei an endlosen grünen Feldern mit grasenden Schafen, machten wir in Newport Halt für Welsh Cake, Tee und ein Gespräch mit Joe Arnold über Hiut und Wales.

„Auf den ersten Blick wirkt es wie eine ruhige Küstenstadt“, erzählt Joe. „Aber wenn man eine Weile bleibt, merkt man schnell, wie viele kreative Köpfe an diesem Ort zusammenkommen. Hier ist man einfach gern.“

Über alte Steinbrücken ging es zurück, während der Himmel langsam von Blau zu Grau wechselte. In Westwales fühlen sich 45 Kilometer deutlich länger an.

Zwei Materialien prägen die Textilgeschichte Westwales: die Wolle der alten „Welsh Mountain“-Schafe und die moderne Blue Jeans. Über Jahrhunderte hinweg war das Teifi Valley ein bedeutender Produktionsstandort. Wasserkraft trieb Mühlen an, die aus lokaler Wolle hochwertigen Flanell herstellten. In den 1960er-Jahren verlagerte sich der Fokus und die Dewhirst-Fabrik fertige jede Woche rund 35.000 Jeans.

Heute führt Hiut diese Arbeit in einem bewusst kleineren Maßstab fort. Dass die Maschinen wieder laufen, ist Ausdruck des Könnens der Menschen aus der Region – und wird entsprechend wertgeschätzt.

Die Zusammenarbeit von Rapha und Hiut bewegt sich zwischen Funktion und Handwerk. Im Zentrum steht 12,5 oz Raw Selvedge Denim aus der traditionsreichen Cone Denim Mill in North Carolina. Selvedge Denim wird auf klassischen Webstühlen gefertigt und erhält so eine strapazierfähige, natürliche Kante, die nicht ausfranst. Denim, der Zeit und Sorgfalt verlangt.

Diese Jeans verbindet Hiuts Handwerk mit den prägenden Details von Rapha. Dazu gehören eine verstärkte doppelte Gürtelschlaufe für die Sitzhaltung auf dem Rad, die charakteristischen pinken Nieten mit der Hiut-Eule sowie ein eigens gefertigtes Leder-Patch. Das funktionalste Detail bleibt zunächst verborgen: ein reflektierendes Rapha-Schreibschriftlogo unter dem rechten Hosenbein, das zur besseren Sichtbarkeit beim Radfahren in der Stadt umgeschlagen werden kann. Der Raw Denim ist darauf ausgelegt, sich über die Zeit durch Bewegung den Körper anzupassen. Diese Jeans hält nicht nur lange, sondern erzählt deine Geschichte auf dem Rad.

„Dein Name steht für die Qualität. Wenn du deine Unterschrift daruntersetzt, weiß jeder, wer sie gefertigt hat. Deshalb muss die Qualität einfach immer stimmen – vor allem wenn dein Name darauf steht.'

– Jean Day, Hiut Grandmaster.

„Wir haben uns gefragt: Warum bieten wir eigentlich nicht lebenslange Reparaturen an?“ Also habe ich beschlossen, mir das selbst beizubringen.“ Zehn Jahre später kümmert sich Paul Anderson noch immer mit Hingabe um die getragenen Jeans der Hiut-Kunden

Wenn Hiuts Handwerk auf Raphas Radsport-DNA trifft, steht Langlebigkeit im Fokus. Diese Philosophie zeigt sich auch in Hiuts Versprechen lebenslanger, kostenloser Reparaturen. Ob ein Riss vom Pedal oder Verschleiß nach unzähligen Pendelfahrten: Die Jeans kehren nach Cardigan zurück und werden von jenen GrandMasters repariert, die sie gefertigt haben.

Die Haltung stellt die Wegwerfmentalität moderner Mode infrage. Denn diese Jeans sind dafür gemacht, getragen, gefahren und repariert zu werden.

Wie lässt man einen Arbeitstag bei Hiut ausklingen? Man fährt hinaus bis ans Meer. Die dritte und letzte Ausfahrt gab einen Eindruck davon, wie das Leben neben der Arbeit hier aussieht. Von der Fabrik aus rollten wir rund 20 Kilometer zur Sauna in Llangrannog. Im März bleibt nach Feierabend gerade genug Zeit für den Strand bei Sonnenuntergang, bevor die blaue Stunde einsetzt. Die Abfahrt nach Llangrannog, belohnt mit der Wärme der Sauna, ist ein Erlebnis für sich. 

Die raue Küste zu erkunden gehört hier zum Alltag. Ob eine letzte Ausfahrt entlang der Klippen, ein mutiger Sprung in den Atlantik oder Auszeit in der Sauna am Meer: Die Nähe zu den Elementen schafft Raum für neue, kreative Ideen. Wir fuhren zurück in die Stadt, als der Nebel wieder aufzog; die Beine waren inzwischen müde, doch unsere Wertschätzung und Überzeugung für das lokale Handwerk hatten sich noch weiter gefestigt.

„Wenn ich es in drei Worte fassen müsste“, so Joe zum Abschluss, „wären es Qualität, Handwerk und Funktion.“

- Joe Arnold, Content at Hiut