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Dass der Kader der Rundfahrer bei EF Education First Pro Cycling um Tejay van Garderen erweitert wurde, schlug im Winter hohe Wellen. Immer wieder für Siege auf WorldTour-Niveau gut, steht der Amerikaner schon länger an der Schwelle des Ruhms, doch der große Durchbruch steht noch aus. Im zweiten Interview von EF Gone Racing versichert er uns jedoch, dass seine besten Jahre erst noch kommen.

26 March 2019

Tejay van Garderen galt schon in den ersten Phasen seiner Karriere als nächste große Hoffnung des US-Radsports. Nachdem er 2010 Profi geworden war, wurde er in den folgenden Jahren zum regelmäßigen Anwärter auf den Titel des besten Nachwuchsfahrers bei den wichtigsten Etappenrennen der Welt.

Nun geht der Amerikaner in sein zehntes Jahr im Profi-Peloton, und sein Palmarès umfasst einen Sieg bei der Tour of California, einen Etappensieg beim Giro sowie Titel bei Weltmeisterschaften. Den großen Erwartungen, die an ihn als unbesiegbaren Neuling gestellt wurden, wurde er damit nicht gerecht.

Brennt das Feuer noch, das es braucht, um in der WorldTour um Siege zu kämpfen? „Aber klar. Einhundert Prozent“, gibt er sofort zurück. Eine schlichte Antwort auf eine direkte Frage. Für Tejay ist die Motivation, Rad zu fahren, immer noch dieselbe: „Ich liebe es, zu gewinnen, ich liebe es, den anderen in den Arsch zu treten und zu zeigen, dass ich zu den Besten gehöre. Manche Leute mögen die Ruhe des Radfahrens, und ich kenne das auch, aber wenn du mich fragst, warum ich Rennen fahre, ist das meine Antwort.“

„Ich weiß, dass ich in den frühen Phasen meiner Karriere viel erreicht habe, doch mir ist auch klar, dass es eine Delle gab“, gibt er mit Hinblick auf die mäßigen Grand-Tour-Ergebnisse zu, die er gegen Ende seiner Zeit bei BMC einfuhr.

Tejay ist reif genug, den Abwärtstrend seiner Ergebnisse anzuerkennen, aber auch erfahren genug, um zu wissen, dass die Form im Laufe der Zeit Schwankungen unterliegt. Rasch versichert er uns, dass die besten Jahre seiner Karriere noch kommen werden: „Wenn ich in sechs, sieben Jahren oder wann auch immer aufhöre, behält man mich hoffentlich besonders klar als Fahrer von EF in Erinnerung. Ich möchte meine besten Jahre in diesem Team verbringen.“

„Ich weiß, dass ich in den frühen Phasen meiner Karriere viel erreicht habe, doch mir ist auch klar, dass es eine Delle gab. Ich möchte meine besten Jahre in diesem Team verbringen.“

Van Garderens Wechsel zu EF Education First Pro Cycling ist sein erster in sieben Jahren nach einer langen Periode bei BMC, doch für ihn fühlt es sich eher wie eine Heimkehr an, nicht wie ein Neuanfang.

„Ich fühle mich wie zu Hause mit meinen neuen Teamkollegen, von denen einige sogar auf meiner Hochzeit waren, Jungs wie Alex Howes und Taylor Phinney. Ich bin mit anderen, etwa Nate Brown, Joe Dombrowski und Lawson Craddock, in der Nationalmannschaft gefahren, es war also nicht so, dass ich als unbeholfener Neuling kam. Ich konnte von Anfang an mit am Tisch sitzen und gehörte dazu.“

Auch wenn diese bekannten Gesichter Tejay die Integration erleichtert haben, ist er doch gespannt darauf, mit seinen neuen Teamkollegen zu fahren, vor allem dem kolumbianischen Kontingent mit Dani Martínez und Rigoberto Urán. Jener war unser erster Interviewpartner bei EF Gone Racing und hat van Garderen im Training beeindruckt.

„Er hat mich auf einigen Anstiegen fertiggemacht, die wir kürzlich im Trainingslager gefahren sind“, kichert Tejay. „Doch immer, wenn er mich geschlagen hatte, drehte er sich sofort mit einem großen Grinsen im Gesicht zu mir um. Dani ist superstark, doch er hat auch Spaß bei dem, was er tut.“

In einem Team mit ambitionierten Nachwuchsfahrern wie Seriensiegern freut sich Tejay besonders darauf, mit Teamkapitän Rigoberto Urán zusammenzuarbeiten.

„Ich kenne Rigo nicht persönlich, doch ich bin genug Rennen mit ihm gefahren, um zu wissen, dass er kein Typ ist, der alle sieben Fahrer seines Teams nach vorne schickt, damit sie ihn aus dem Wind nehmen“, sagt Tejay. „Er fährt gerne etwas weiter hinten und kommt nach vorne, wenn es darauf ankommt, geht in die Spitzengruppe und kämpft um den Sieg.“

„Ich fühle mich wie zu Hause mit meinen neuen Teamkollegen, von denen einige sogar auf meiner Hochzeit waren. Ich konnte von Anfang an mit am Tisch sitzen und gehörte dazu.“

Tejay fuhr schon Kopf an Kopf gegen Rigo und kennt dessen rohe Kraft. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er seinen kolumbianischen Kapitän voll und ganz unterstützen wird: „Wenn Rigo zu einem Rennen kommt und sagt, ,Ich bin fit‘, arbeite ich gerne zu jedem Zeitpunkt für ihn“, sagt er. „Und ich mache auch Doppelschichten.“

Uráns Stil verkörpert eine Abkehr vom starren taktischen Ansatz bei BMC. „Bei dem Team gehst du mit einem klaren Ziel und einem geschützten Fahrer ins Rennen; es ist kristallklar, dass jeder im Bus für diesen Kerl arbeitet. Das einzige Problem ist, das alles durcheinanderkommt, wenn deinem Kapitän irgendetwas passiert“, spricht er aus Erfahrung.

Bei der Tour de France 2015 lag Tejay nur drei Tage vor dem Ziel in Paris auf dem dritten Platz, doch dann warf ihn eine plötzliche Erkrankung aus dem Rennen. Damit verpasste er die einmalige Chance, mit Chris Froome und Nairo Quintana auf dem Podest zu stehen; sein BMC-Team ging derweil ohne einen einzigen Etappensieg aus dem Rennen hervor. Inzwischen bevorzugt Tejay einen ausgewogeneren Ansatz.

„EF stellt sich lieber etwas breiter auf, und die Tatsache, dass Rigo kein alles erdrückender Anführer ist, eröffnet vielen anderen Jungs die Möglichkeit, etwas zu versuchen“, sagt er. Nach Jahren, in denen er die Geschicke seines ganzen Teams auf den Schultern trug, könnte der etwas differenziertere Ansatz beim EF Team für beide Seiten Früchte tragen. Wie also wird Tejays Rennprogramm aussehen?

„Wenn Rigo zu einem Rennen kommt und sagt, ,Ich bin fit‘, arbeite ich gerne zu jedem Zeitpunkt für ihn“, sagt er. „Und ich mache auch Doppelschichten.“

Tejay startete mit den Wüstenrennen der UAE Tour Ende Februar in die Saison, wo er ein paar solide Renntage absolvierte. „Auch wenn es mir lieber gewesen wäre, in der Ergebnisliste weiter oben zu stehen, glaube ich, dass ich mit meiner Fitness den Sprung gemacht habe, den ich für den Rest der Saison brauche.“

Gegen Ende seiner Zeit bei BMC fuhr van Garderen bunt gemischte Rennen; nun will er wieder zu einem eher traditionellen Programm und zu den Rennen zurückkehren, bei denen er sich einen Namen machte.

In dieser Woche tritt der Amerikaner bei Paris-Nizza an, ein Rennen, bei dem er Höhen und Tiefen hatte. Zu Beginn seiner Karriere fuhr er zweimal in die Top Fünf und errang das weiße Trikot des besten Jungprofis, doch in der jüngeren Vergangenheit wurde er vom Pech verfolgt, stürzte zweimal und musste das Rennen des letzten Jahres auf der ersten Etappe aufgeben.

Wir spulen zwölf Monate vor zu dieser Saison, wo van Garderen ein Déjà-vu erlebte, als die windige Eröffnungsetappe die Hoffnungen mehrerer Favoriten aufs Gesamtklassement begrub. Aufgehalten von einem Sturz mit dem Titelverteidiger Marc Soler, ist Tejay aus dem Rennen um die Gesamtwertung, aber heiß auf einen Tagessieg, wenn das Rennen am kommenden Wochenende in sein bergiges Finale geht.

Es folgt die Katalonien-Rundfahrt, bei der Tejay sich unter anderem durch zwei eindrucksvolle Etappensiege einen Namen gemacht hat. Beide Male distanzierte er Rivalen wie Richie Porte, Chris Froome und Alberto Contador und holte sich den Sieg bei den schweren Bergankünften in den Skiorten Vallter 2000 und la Molina.

„Bei jedem Rennen, an dem ich dieses Jahr teilnehme, will ich es krachen lassen. Ich werde nicht die ganze Zeit an die Tour de France denken.“

Dieses Jahr findet das Rennen in der letzten Märzwoche statt und kehrt mit aufeinanderfolgenden Bergankünften in der Wochenmitte zu den beiden Skiorten zurück. Mit genauer Kenntnis beider Anstiege und zwei Rennwochen in den Beinen wird Tejay voller Hoffnung auf eine Wiederholung seines Erfolgs am Start stehen.

In einer Zeit, in der die Sieganwärter der großen Rundfahrten selbst die prestigeträchtigsten einwöchigen Rennen als Trainingseinheiten ansehen, ist Tejay eine Ausnahmeerscheinung. „Bei jedem Rennen an dem ich dieses Jahr teilnehme, will ich es krachen lassen“, äußert er selbstbewusst.

„Ich werde nicht die ganze Zeit über die Tour de France nachdenken, ich werde darüber nachdenken, wie ich die Jungs schlagen kann, gegen die ich beim jeweiligen Rennen antrete“, fährt er fort. „Natürlich wird meine Form unterschiedlich sein, je nachdem, welche Phase der Saison ansteht, doch die Einstellung ist bei jedem Rennen dieselbe.“

Im April wird van Garderen einen harten Trainingsblock absolvieren, bevor er zur Tour of California zurückkehrt – ein Rennen, das er 2013 gewinnen konnte. Seine Saison wird im Juli mit der Rückkehr zur Tour de France einen Höhepunkt erreichen, doch es ist ihm wichtig, zu betonen, dass jenes Rennen nicht der einzige Maßstab für eine erfolgreiche Saison ist.

Nach der Tour ist Tejays Rennprogramm noch offen. Neben den traditionellen Rennen der auslaufenden Saison kamen bei Gesprächen mit der Teamleitung eher unorthodoxe Optionen ins Spiel, die Teil des alternativen Kalenders sind. Der zusammen mit Rapha erdachte alternative Kalender sieht vor, dass sich ein abenteuerlustiges Kontingent von „EF Education First“-Fahrern an einigen der spannendsten Offroad- und Ausdauerrennen der Welt versucht, darunter das Dirty Kanza und das Leadville 100.

Auch wenn er anfangs skeptisch war, fühlt sich Tejay von dem Gedanken angesprochen, Leadville zu fahren, ein Mountainbike-Rennen über 100 Meilen in großer Höhe, das in der Nähe seiner Heimatstadt Aspen stattfindet. „Ich wollte nicht, dass der alternative Kalender meinem Straßen-Programm in die Quere kommt, doch es könnte richtig spannend werden“, gibt er zu.

„Das Leadville 100 findet gleich nach der Tour statt, und von meinem Haus aus ist es nur einen Berg weiter“, sagt er. „Es wäre eine tolle Möglichkeit, den Sport auf einer stärker menschlichen Ebene zu genießen und mit den Fans in Kontakt zu kommen. Ich trete da vielleicht gegen meinen Grundstücksmakler an – das könnte für Aufsehen sorgen.“

Ob Makler oder WorldTour-Fahrer – jeder, der in dieser Saison gegen Tejay van Garderen antritt, sollte sich auf einen erfrischten, wiedererstarkten Rivalen einstellen. So lange als große Hoffnung gehandelt, fängt Tejays große Zeit jetzt an.

Die nächste Episode von EF Gone Racing wird im Verlauf von Mailand–San Remo gefilmt und kurz danach veröffentlicht. Bleib auf dem neuesten Stand der Serie und melde dich unten an.

Tejay empfiehlt…

Paris-Nizza wurde als „Rennen zur Sonne“ berühmt, doch dieses Jahr wurden die ersten drei Etappen vom Wind bestimmt. Um gegenüber seinen Rivalen einen aerodynamischen Vorteil zu haben, entschied sich Tejay für unser Pro Team Aero Jersey, dessen Aufbau aus zwei Materialien und mit sorgsam positionierten Klebenähten den Luftwiderstand minimiert und maximales Tempo erlaubt. In der WorldTour erprobt – hol dir jetzt deins.

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