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Der Aufstieg von Martínez

Als sich der Staub nach seinem Sieg beim prestigeträchtigen Critérium du Dauphiné gelegt hatte, sprachen wir mit Dani Martínez, dem Bergfahrer aus Bogotá, im Vorfeld seiner zweiten Teilnahme bei der Tour de France.

28 August 2020

Das diesjährige Critérium du Dauphiné war eines jener Rennen, nach denen sich jeder Fan sehnt. Eine Schlacht in den Bergen um eine Handvoll Sekunden, schlecht getimte Angriffe, Comebacks und in der Schlussphase ein Drama, das die Gesamtwertung auf den Kopf stellte.

Als Dani Martínez – der 24-jährige Kolumbianer, der als Mini-Version von Rigoberto Urán gehandelt wird – die Ziellinie in Megève überquerte, dauerte es eine Weile, bis sich die Realität dieses dramatischen Endspiels einstellte.

„Ich bin noch so müde vom Rennen und kann immer noch nicht ganz glauben, dass ich gewonnen habe“, sagte er mit starrem Blick, in einen Stuhl zusammengesackt und das legendäre Gelbe Trikot des Spitzenreiters auf dem Schoß. „Es ist einer der schönsten Tage meines Lebens – es ist eines der bedeutendsten Rennen und ich bin einfach so glücklich, dass ich es geschafft habe“, sagte er mit Tränen in den Augen.

„Wir hatten ein paar gute Trainingstage und reiten auf der Welle des Erfolgs, die von einem Sieg ausgeht.“

Fast zwei Wochen nach dem bisher größten Sieg seiner Karriere konnte Dani die Emotionen beim Training mit seinen Teamkollegen in Andorra verarbeiten und sich noch in den letzten Stunden vor der Tour de France schinden.

„Wir hatten ein paar gute Trainingstage, sind noch auf der Welle des Erfolgs nach dem Sieg geritten und haben uns gut erholt“, erzählt er auf dem Weg nach Nizza, wo am Samstag das größte Spektakel des Radsports beginnt, die Tour de France.

Der Spirit der Dauphiné ist nach wie vor sehr lebendig und verleiht dadurch der gesamten Mannschaft vor der Tour eine gute Portion Motivation. „Es hat mir definitiv mehr Selbstvertrauen gegeben“, sagt er. „Aber dennoch arbeiten wir sehr hart – wir wollen bei der Tour so gut abschneiden, wie wir nur können.“

„Das ganze Team fühlt sich stark und ich glaube, dass die Dinge für uns gut laufen werden.“

Es hilft ihm, von routinierten Mentoren wie Rigoberto Urán und den Tour-Veteranen Tejay van Garderen und Jens Keukeleire umgeben zu sein, die ihn auf dem Boden der Tatsachen halten. „Das Ergebnis bei der Dauphiné war sehr gut und es hilft mir dabei, die Tour entspannter anzugehen. Unter den Teamkollegen herrscht eine gute Stimmung, jeder sieht sehr besonnen aus. Das ganze Team fühlt sich einfach gut vorbereitet, also glaube ich, dass die Dinge für uns gut laufen werden.“

In der letzten Etappe der Dauphiné vor etwas mehr als anderthalb Wochen zeigten die Bilder auf der Leinwand einen kontrolliert scheinenden Martínez, der ruhig auf den Sieg zusteuerte. Jene, die im Ziel warteten, vibrierten vor Nervosität, als um die Sekunden gekämpft wurde, doch Martínez war so cool wie immer. Wenn er sich in Gedanken in diese Augenblicke zurückversetzt, ist es interessant zu erfahren, woran er sich erinnert.

„Ein Hoch auf unglückliche Angriffe, Comebacks und Fahrer, die um wenige Sekunden kämpfen.“

Charly [Wegelius, Sportlicher Leiter von EF Pro Cycling] hat mir nie gesagt, dass Pinot so dicht hinter mir fährt. Er sagte: ‚Schließ einfach deine Augen und gib bis zur Ziellinie alles.‘ Ich hatte meine Körner für die letzten zwei oder drei Kilometer aufgespart", erklärt er.

„Ich konnte durch den Teamfunk hören, wie er mich anspornte und anfeuerte, und als es nur noch tausend Meter waren, brüllte er: „Zieh durch, zieh durch – gib alles, was du hast!“

Bis zu ihrem Ende bot die diesjährige Ausgabe der Dauphiné den Fans ein auf die letzten Meter spannendes Spektakel – etwas, das wir bei der diesjährigen Tour de France sehnlichst erwarten. Der Kampf ums Gesamtklassement, der bis zur letzten Minute ausgefochten wurde, war der Stoff, für den das Fernsehen erfunden wurde. Und wenn sich in den kommenden 21 Tagen das größte Radsport-Spektakel abspielt, hoffen wir auf mehr davon. Ein Hoch auf unglückliche Angriffe, Comebacks und Fahrer, die um wenige Sekunden kämpfen.

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