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Tour-de-France-Galerie: Teil II

Unser aktuelles Foto-Essay erzählt die Geschichte einer turbulenten Woche bei der Tour, in der das gelbe Trikot verloren ging und wiedergewonnen wurde, es enge Zeitabstände in den Anstiegen gab und klaffende Lücken im Seitenwind.

18 July 2019

Etappe 05

SAINT-DIÉ-DES-VOSGES – Colmar

Bei der Ankunft des Rennens in den Vogesen gab es noch genügend Rebstöcke, hinter denen sich die Fotografen verstecken konnten.
Vereinzelt vernimmt man einen Kommentar von einem älteren Radsportfan hinsichtlich des mangelnden Interesses der jüngeren französischen Generationen, doch wie dieses Bild zeigt, befinden sich immer Fans aller Altersgruppen am Streckenrand der Tour.
Die Dampfkessel-Atmosphäre bei der Tour ist kein Mythos, aber es gibt den gelegentlichen Moment relativen Friedens. Nachdem eine Reihe kategorisierter Anstiege die Gruppe im Finale gespalten hatte, nahmen einige Fahrer die Chance wahr, sich dem Rückweg nach Colmar auszutauschen.
Während sich Simon Clarke mit Lukas Pöstlberger von Bora-Hansgrohe auf den neusten Stand brachte, tauschte sich Seb Langeveld mit Teamkamerad Tom Scully über einen harten Tag aus.
Da die reinen Sprinter nicht auf der Rechnung standen, war es ein Kampf der starken Männer. Michael Matthews wurde gut unterstützt und perfekt positioniert, während Wout van Aert bereits künftigen Erfolg erahnen ließ, aber es war Sagan, der seinen elften Tour-Etappensieg einfuhr.

Etappe 06

MULHOUSE – LA PLANCHE DES BELLES FILLES

Am bis dato härtesten Tag der Tour war klar, dass Sagan nicht seinen Sieg vom Vortag wiederholen konnte, da die Strecke einige Anstiege inklusive der Bergankunft oben an der Planche des Belles Filles beinhaltete.
Auf dem verlängerten Anstieg der „Super Planche“ mit bis zu 24 % Steigung sollten sogar die Stärksten an ihre Grenzen kommen. Hier wuchtet sich Rigoberto Uran mit schwerem Tritt die letze Gerade hoch, deren sehr lockerer Untergrund diese Aufgabe zusätzlich erschwerte.
In einem Finale, das ihm zu liegen schien, konnte Mike Woods zwar nicht gewinnen, aber stark agieren und mit der Gruppe der Favoriten finishen. Als er den Zielstrich mit Uran überquerte, waren seine ersten Worte einfach nur: „Puh, das war hart.“
Nachdem er den Anschluss an die Favoritengruppe am vorletzten Anstieg verloren hatte, setzte Tejay van Garderen alles daran, auf der Abfahrt wieder aufzuholen, aber an der Planche musste er für seine Mühen bezahlen und fuhr einen Rückstand von fast acht Minuten ein.
Die Bergankunft war so steil, dass die Betreuer nur ein paar Meter vom Zielstrich entfernt positioniert wurden, um den erschöpften Fahrern ein sicheres Anhalten zu ermöglichen. Urans Gesicht waren die Strapazen deutlich anzusehen.
Auch Woods war nach seiner starken Leistung erschöpft, doch er erlangte seinen Humor rasch zurück. Nachdem er eine Trillerpfeife bekommen hatte, mit deren Hilfe er sich sicher den Weg hinunter zum Teambus bahnen konnte, begann er bald, eine Melodie zu pfeifen.

Etappe 07

BELFORT – CHALON-SUR-SAÔNE

Auf der längsten Etappe der Tour gibt es genug Zeit, sich zum Teamwagen zurückfallen zu lassen und die Taktik zu besprechen. Alberto Bettiol ist bekanntermaßen eigen, wenn es um seine Radeinstellung geht, und es kann gut sein, dass er hier die Aufmerksamkeit eines Mechanikers sucht.
Das Rennen war besonders lang für Van Garderen, der nach nur fünf Kilometern einen bösen Sturz erlitt und tiefe Abschürfungen im Gesicht davontrug. Die Teamkameraden Tom Scully und Seb Langeveld sollten sich abwechseln und den Amerikaner für den Rest des Tages am Ende des Feldes begleiten.
Mit gebrochenen Handknochen kämpfte sich Tejay tapfer ins Ziel, aber am nächsten Morgen sollte er aufgeben. Gut vertraut mit Pech bei der Tour, gab er sich philosophisch bei seinem Abgang: „Das ist Radsport, er ist hart, er ist nicht immer schön.“

Etappe 08

MÂCON – SAINT-ÉTIENNE

Mit der Absicht, es erneut in die Ausreißergruppe zu schaffen, streift sich Simon Clarke sein Aero Jersey über. Er sollte es nicht in die Fluchtgruppe schaffen, da vier Fahrer früh entkamen, aber er leistete eine Menge Arbeit, um Uran und Woods für das Finale zu positionieren.
In der Zwischenzeit bereitete sich Uran selbst mental auf einen hügeligen Tag vor, der das Potential hatte, größere Zeitabstände zu verursachen.
Die Stimmung im Teambus von EF war gut, oder?
Immer zuvorkommend: Tom Scully nimmt sich die Zeit, am Start ein paar Autogramme zu geben. Scud, wie er von seinen Teamkameraden genannt wird, ist jetzt in seinem dritten Jahr beim Team. Er hat sich zu einem zuverlässigen Arbeiter entwickelt und steht oft als einer der Ersten auf der Besetzungsliste des Teams.
Das Hügelvorland des Zentralmassivs stellt vielleicht kein Gebirge dar, aber es bot ein anspruchsvolles Terrain, das den Kletterern lag. Eine Erschütterung des Gesamtklassements wurde nicht erwartet, aber Julian Alaphilippes Wunsch, das gelbe Trikot wiederzuerlangen, sollte einen Franzosen mit Chancen auf den Gesamtsieg nach vorne bringen.
Im spannenden Finale fuhr Thomas De Gendt einen bemerkenswerten Sieg ein – vor Alaphilippe, der Gelb wiedererlangte, und Thibaut Pinot, der sich einen komfortablen Vorsprung vor seinen Rivalen verschaffte. Eine dezimierte Gruppe von Favoriten sprintete mit zwanzig Sekunden Rückstand auf das französische Duo ins Ziel.

Etappe 09

SAINT-ÉTIENNE – BRIOUDE

Bastille-Tag. Würden die französischen Protagonisten der Situation gewachsen sein?
Tag der Bastille – eine Feier anlässlich der Umwälzung des politischen Status quo. Würde die Fluchtgruppe am zweiten Tag in Folge dem Peloton ein Schnippchen schlagen? Das wollte auch das in gepunktete T-Shirts gewandete Publikum am Streckenrand wissen.
Wieder vertrat Simon Clarke Team EF Education First in der Ausreißergruppe. Der Australier hat zuvor Etappen bei der Vuelta gewonnen, doch er zählt einen Tour-Etappensieg zu seinen Hauptambitionen.
Hier folgt er grade Ivan Cortina von Bahrain-Merida.
Hinten war das Peloton zeitweise ausgelaugt, rollte aber 15 Minuten nach dem Gewinner des Tages, dem Südafrikaner Daryl Impery, ins Ziel.
Clarke konnte sich im Finale nicht einbringen, aber er beeindruckte, indem er den ganzen Tag in der Fluchtgruppe fuhr. Chapeau.

Etappe 10

SAINT-FLOUR – ALBI

Die heutige Etappe war wieder wellig, schien aber zumindest auf dem Papier keine Überraschungen zu bieten. Am Ende erwies sie sich jedoch als alles andere als einfach.
Die Stimmung im Teambus war locker, doch ein detaillierter Plan war aufgestellt worden, um sich gegen den Zeitverlust durch die Seitenwinde zu wappnen, die die späteren Anschnitt prägen sollten. Die Windkanten-Experten Scully, Langeveld und Clarke sollten entscheidende Rollen spielen.
Das Rennen brauchte eine Weile, um Fahrt aufzunehmen, aber jene, die gewartet hatten, wurden Zeugen einer fesselnden letzten Stunde voller Action.
Als die Windgeschwindigkeit zunahm, rangelten die Teams vorne um die Positionen.
Nach der Etappe verriet Tom Scully, dass das Team die 175-km-Marke als Zeitpunkt für eine Positionierung an der der Spitze identifiziert hatte. An diesem Punkt würden die Seitenwinde am stärksten sein, sodass es von größter Bedeutung war, gut positioniert zu sein.
An der Seite des Teams Deceuninck-Quickstep verschärfte Simon Clarke heftig das Tempo, was die Gruppe dahinter in Schwierigkeiten brachte. Leider befand sich Rigo Uran auf der falschen Seite der Lücke.
Der Ärger über den Zeitverlust von 100 Sekunden, den Uran letztlich einfuhr, war im Ziel nicht zu übersehen. Die Fahrer begaben sich direkt in den Teambus zur Nachbesprechung des Rennens mit ihren sportlichen Leitern. Die Salzränder auf Scullys Trikot zeugten von den Anstrengungen des Tages.
Das Team hatte gut gearbeitet, es hatte nur am unglücklichen Timing gelegen, erklärte Uran den Reportern nach der Etappe.

Nachdem zehn Tage am Stück heftig Rennen gefahren wurde, trifft die Tour nun in den Bergen ein. Mit zwei Etappen in den Pyrenäen und einem bevorstehenden Zeitfahren sind größere Zeitabstände garantiert, und alles ist noch offen. Das Rennen hat gerade erst begonnen. Bleib dran.

Etappe 11

Albi – Toulouse

Auf dem Papier sah die elfte Etappe nach einem klaren Sprintfinale aus, aber das hatte man auch von der zehnten gesagt. Uran wurde von Super-Helfer Tom Scully auf Kurs gehalten, den man hier sehen kann, wie er stundenlang hinter dem Kolumbianer fährt – perfekt platziert, um unpassende Zwischenfälle abzufangen.
Nach der Aufsplitterung des Feldes auf Etappe 10 war EF Education First fest entschlossen, zusammenzubleiben. Als Straßenkapitän handelt Simon Clarke nach Informationen, die den Fahrern von den sportlichen Leitern in den nachfolgenden Autos gegeben werden.
Sebastian Langeveld hat auf Flachetappen eine weitere Schlüsselfunktion für das Team inne. Leider ging der Holländer beim Positionskampf gegen Ende der Etappe zu Boden.

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